Ostersieg gegen Playoff-Aspiranten

ratiopharm ulm beendet mit dem 72:63 (40:32)-Erfolg die Siegesserie der GIESSEN 46ers und verbessert seine Chancen die Hauptrunde auf Platz eins abzuschließen.

Shortcut Acht Tage nach der Heimniederlage gegen München fand ratiopharm ulm auch im eigenen Wohnzimmer zurück in die Erfolgsspur: Mit dem 72:63 über die GIESSEN 46ers legte das Team von Head Coach Thorsten Leibenath den 6.200 Fans in der ratiopharm arena den wichtigen Sieg gegen einen Playoff-Anwärter ins Osternest und machte damit den nächsten wichtigen Schritt, um als Hauptrunden-Erster in die Playoffs starten zu können (siehe Good to know). Gegen die von Denis Wucherer gut eingestellte Gießener Defensive fehlte ratiopharm ulm über weite Strecken der offensive Fluss, während sich auch die 46ers gegen die Ulmer Verteidigung die Zähne ausbissen. „Es war sicherlich ein ungewöhnliches Spiel für uns, weil erwartet wurde, dass es offensiv geprägter sein würde. Aber das war es nicht. Und das lag an der guten Verteidigung auf beiden Seiten“, fasst Coach Leibenath zusammen, der sich bei nur 13 Assists auf die individuelle Klasse seiner Akteure verlassen konnte: „Wir waren auf starke Einzelleistungen angewiesen, vor allem die von Chris Babb“, so Leibenath mit Blick auf Babbs 22 Zähler, dank derer Ulm die Gäste immer auf Abstand halten konnte.

Keystats „Mit dem Blick auf die Statistik fällt auf, dass viele Werte gleich sind – ausgenommen die Ballverluste“, bringt es Gießens Coach Denis Wucherer auf den Punkt. Was die Trefferquoten aus dem Feld (42,6% vs. 39,7% FG) und die Rebounds (34 vs. 36) angeht, schenkten sich die beiden Teams wenig, wenngleich Ulm seine zweiten Chancen nach Offensivrebounds besser nutzte (11 vs. 3). Bei den Ballverlusten trennte sich erst im Schlussabschnitt die Spreu vom Weizen: Während den Gästen 6 ihrer 18 Ballverluste im 4. Viertel unterliefen, minimierte der Tabellenführer seine Fehleranfälligkeit (2 TO, insgesamt 12) in der Crunch Time und münzte die Gießener Turnovers in einen vorentscheidenden 8:0-Lauf zum 70:55 um.

Spotlight Mit einer 3er-Quote von 3/10 lag Chris Babb deutlich unter seinem Schnitt, was zum einen daran lag, dass der Shooting Guard erneut häufig auf der Vier spielte, zum anderen an der höchst aufmerksamen Gießener Verteidigung. Doch Babb fand dennoch Lösungen, um zu Punkten. Eine Trefferquote von 5/6 aus dem 2er-Bereich zeigt seine Variabilität – die 22 Punkte sind sein fünftbester Wert in der aktuellen Saison. Dass ein Spieler auch ohne zu punkten ein Spiel prägen kann, demonstrierte Taylor Braun, der mit 4 Steals (4 Reb, 2 As) den defensive Ton setzte. Casey Prather feierte dagegen ein sehr solides Heimdebüt an beiden Enden des Feldes: Mit 10 Punkten, 3 Rebounds und zwei Assists war der Neuzugang der dritteffektivste Ulmer. 

Play-by-Play

1. Viertel (21:13): Der Mann, der mit seinem Double-Double einen Großteil zum Sieg in Würzburg beigetragen hatte, eröffnete auch gegen Gießen stark: Mit 6 Zählern sorgte Augustine Rubit für einen perfekten Ulmer Start in das Osterspiel (8:0, 3.). Erst nach fünf Fehlwürfen und einer Auszeit von Denis Wucherer brachte Gießen durch Saibou die ersten Zähler aufs Scoreboard – und nahm Ulm mit seiner neu eingestellten Verteidigung vorerst den offensiven Schwung: Ganze fünf Minuten blieben die Gastgeber ohne Zählbares, während die 46ers auf 8:6 (7.) heranrückten. Leibenaths Einwechslungen von Per Günther, „WoBo“, Karsten Tadda und Casey Prather brachten dann frischen Wind: Einen Günther-Fehlwurf verwertete der längste Ulmer zum And-One (11:6, 8.), um damit die Vorlage zum Ulmer Schlussspurt zu liefern: Nach dem ersten Erfolg von Down Town durch Tadda nutzte Heimdebütant Prather die verbleibenden 18 Sekunden zu zwei athletischen Drives zur 21:13-Führung.

2. Viertel (19:19): Und der doppelte australische Meister schien sich in seinem neuen Wohnzimmer sichtlich wohl zu fühlen: Nachdem Raymar Morgan seine ersten Zähler gelungen waren (25:18), brachte Prather die Führung mit seinem ersten Bundesliga-Dreier erstmals in den zweistelligen Bereich (28:18, 13.). Von Down Town anknüpfen konnte dann Per Günther: Als der Spielmacher nach 7 Fehlwürfen aus den letzten drei Partien wieder aus der Distanz traf, schien der gesamten ratiopharm arena inklusive des Captains ein Stein vom Herzen zu fallen. Der daraus resultierende 35:23-Vorsprung (15.) sollte aber der vorerst höchste bleiben: Denn mit ihrer unkonventionellen Verteidigung schafften es die Gäste immer wieder, den Tabellenführer zu Fehlern zu zwingen (6 Turnovers). Dem Gießener 9:2-Lauf konnte einzig Braydon Hobbs per Dreier etwas entgegen setzten, sodass ratiopharm ulm mit einer 40:32-Führung in die Halbzeit ging.

3. Viertel (17:16): Wenngleich Chris Babb die zweite Halbzeit mit seinem ersten Treffer von Down Town eröffnete (43:32), erlebten die 6.200 Zuschauer in der zum 116. Mal in Folge ausverkauften ratiopharm arena im dritten Spielabschnitt wenige offensive Highlights: Nur 4 Ulmer Assists bei 4 Ballverlusten sprechen eine deutliche Sprache. Dagegen gab Dwayne Evans den Energizer für die Gäste: Der 2,01 Meter große Power Forward stellte den Ulmer „Small Ball“ in der Zone eines ums andere Mal vor Probleme und erzielte 9 seiner 20 Zähler im dritten Viertel. Doch was Evans für Gießen darstellte, war Chris Babb für Ulm: Der durch die Verletzung von Da’Sean Butler auf die Position vier umgeschulte Scharfschütze erzielte 10 der 16 Ulmer Punkte und hielt die Gäste – unter anderem mit seinem Dreier aus acht Metern Entfernung (53:44, 28.) – auch zum Viertelende weiter auf Distanz (57:48).

4. Viertel (15:15): Und in einem punktearmen Schlussabschnitt sollte Chris Babb mit seinem dritten Dreier (3/10) auch für die Vorentscheidung sorgen: Nachdem Evans seine einzigen Punkte im vierten Viertel markiert hatte (62:55), stellte der Ulmer Topscorer vier Minuten vor dem Ende auf 65:55. Babbs Dreier war der Auftakt zu einem 8:0-Lauf der Ulmer, die nun vermehrt auftretenden Fehler der Gäste zur 70:55-Führung (39.) auszunutzen wussten: Vier Ballverluste in Folge sollten die Gießener Hoffnungen endgültig begraben; Wells konnte mit seinen beiden Distanzerfolgen nur noch Ergebniskosmetik betreiben.

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Es war sicherlich ein ungewöhnliches Spiel für uns, weil erwartet wurde, dass es offensiv geprägter sein würde. Aber das war es nicht. Und das lag an der guten Verteidigung auf beiden Seiten. Wir hatten zwischenzeitlich große Probleme mit der Verteidigung von Gießen nach deren erster Auszeit. Wir waren auf starke Einzelleistungen angewiesen, vor allem die von Chris Babb. Aber es war gut zu sehen, dass wir uns die ganze Zeit auch auf unsere Verteidigung verlassen konnten – besonders, als es wirklich darauf ankam. Die letzten acht Punkte der Gießener haben mich geärgert, ansonsten muss ich sagen, haben wir in der zweiten Halbzeit stark verteidigt. Das verdient ein großes Lob ans Team.“

Denis Wucherer (Head Coach GIESSEN 46ers): „Wir haben heute zwei Mannschaften gesehen, die jeweils eine starke Verteidigung gespielt haben. Mit dem Blick auf die Statistik fällt auf, dass viele Werte gleich sind – ausgenommen die Ballverluste. Da haben wir 18 und Ulm nur 12. Daraus kann eine starke Mannschaft wie Ulm Kapital ziehen. Hinzu kommt, dass sie stark gereboundet und ihre zweiten Chancen verwertet haben, während wir konsequent unsere freien Würfe daneben geworfen haben. Natürlich geht der Sieg in Ordnung. Ich bin zufrieden mit der Leistung meines Teams. Gegen eine Mannschaft wie Ulm kannst du mit unserer Wurfquote von heute einfach nicht bestehen.“

Good to know Nach den beiden Siegen im „Oster-Doppelpack“ ist ratiopharm ulm auf dem besten Weg, als Hauptrunden-Erster in die mit Spannung erwartete Postseason zu starten. Aus den verbleibenden drei Partien der Regular Season benötigt die Leibenath-Truppe noch zwei Erfolge, um aus eigener Kraft von der Spitze in die Playoffs zu starten. Den Grundstein dafür wollen die Ulmer im Heimspiel gegen die Fraport Skyliners am nächsten Samstag legen. Die Partie in der ratiopharm arena ist genauso wie das abschließende Derby gegen Tübingen (1.5.) ausverkauft; dazwischen reist ratiopharm ulm nach Ludwigsburg (29.4.), um sich für die Pokal-Niederlage zu revanchieren.

Fotos Harry Langer

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