Vorstoß endet mit Eigentor

Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Und: Wer zu spät kommt, den bestraft – in diesem Fall –  die normative Kraft längst geschaffener Fakten. Zu diesen Erkenntnissen gelangt, wer sich näher befasst mit dem von SSV Ulm 1846 Fußball und vom Großverein SSV  Ulm 1846 unterbreiteten Vorschlag, ein vereinsübergreifendes Sport- und Nachwuchszentrum nach Vorbild des OrangeCampus zu schaffen. Angeblich, um die Campus-Idee zu retten.

Was auf den ersten Blick Charme haben mag, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als kaum ernst zu nehmender Vorstoß, der mit einem Eigentor endet. Nicht nur, weil dies Diskussion zur Unzeit angezettelt wird. Wobei niemand unterstellt, dass die Protagonisten eines solchen „Campus für alle“ damit in Wahrheit das Totenglöckchen für den OrangeCampus läuten wollten.

Ja, wohl wahr: Der Ulmer Sport wäre gut beraten gewesen, hätte er sich vor Jahren gewappnet für die großen Sportdebatten. Hätte er eine erkennbare Gesamtstrategie entwickelt. Die Fragen lagen auf der Hand: Was könnten gemeinsame Projekte sein? Welcher Großverein bietet wem was? Und was benötigt er für die Zukunft?  Gemeinsame Antworten wurden nie ernsthaft angestrengt, ein Generalkonzept „Sport“ ist ausgeblieben. Vielmehr handelten die Vereine nach dem Prinzip, dass jeder sich selber am nächsten ist. Jeder für sich und alle gegeneinander – der Sport hat durch diese Uneinigkeit der Ulmer Politik immer wieder Schlupflöcher ins Ungefähre und in Endlosschleifen eröffnet, statt sie zu Klarheiten zu zwingen.  

Als Konsequenz daraus ist eine Summe von Einzelprojekten entstanden. Im Fall des Basketballs hat der OrangeCampus - ähnlich wie  „Sportopia“ der TSG Söflingen – mittlerweile ein Planungsstadium kurz vor Baureife erreicht. Hunderttausende von Euro und noch mehr Energie haben BBU '01 und die TSG Söflingen dafür investiert.

BBU '01 hat als Konsequenz auf die Alleingänge der Sportvereine ein strikt auf die Bedürfnisse des Spitzen-Basketballs und der  Nachwuchsarbeit zugeschnittenes Projekt entwickelt. Eines mit sport-ökonomischem Anspruch, denn es soll sich bis auf die einmaligen öffentlichen Zuschüsse refinanzieren und selber tragen.

Und jetzt plötzlich kommt der SSV Ulm 1846 auf die grandiose Idee, einen solchen Campus nicht auf dem heruntergewirtschafteten, seit Jahrzehnten brach liegenden Gelände des alten Donaubades zu realisieren, sondern ihn doch besser zu transferieren vor das eigene Haus des Großvereins in der Friedrichsau. Und der SSV Ulm 1846 Fußball bringt aus dem Abseits ein kollektives Nachwuchs- und Leistungszentrum für Fußball und Basketball ins Spiel. Für den OrangeCampus hieße beides: Aus, zurück auf Start, alle Planungen in der Orkus.

Müssen sich die Verantwortlichen der beiden Vereine in der  Friedrichsau da wundern, wenn der Schuss nach hinten los geht? Wenn sie sich einerseits dem Vorwurf der Trittbrettfahrerei ausgesetzt sehen? Und sie andererseits gar verdächtigt werden, eigene Probleme mit dem Geld des Basketballs lösen zu wollen? Vorbehalte und Vermutungen, die nicht etwa aus der interessierten Ecke des Basketballs stammen. Sondern vielmehr und nachlesbar geäußert wurden von einzelnen Ulmer Stadträten.

Was bleibt als Erkenntnis? Einzig die eingangs zitierte Weisheit, nach der das Gegenteil von gut, gut gemeint ist. Wenn es denn überhaupt gut gemeint gewesen sein sollte.

Hans-Uli Thierer, Mitglied BBU '01

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