Killerinstinkt im Schlussviertel bewiesen

ratiopharm ulm zündet im vierten Viertel den Turbo (24:13) und bezwingt starke Basketball Löwen Braunschweig mit 88:77 (39:40).

Shortcut ratiopharm ulm bleibt in der easyCredit Basketball Bundesliga in der Erfolgsspur: Mit dem 88:77-Erfolg baut das Team von Head Coach Thorsten Leibenath seine Mini-Serie auf drei Siege in Folge aus. Allerdings schafften es gut aufgelegte Braunschweiger Löwen, die Gastgeber über drei Viertel „in arge Bedrängnis“ (Leibenath) zu bringen. Aber nachdem die Niedersachsen zwischenzeitlich mit 48:53 (25.) in Front lagen und auch ohne Cheftrainer Frank Menz, der nach einem Quadrizepssehnenriss am Freitag operiert wurde und auf unbestimmte Zeit ausfällt, vieles richtig machten, gelang den Ulmern die Wende: „Wir haben heute bewiesen, dass wir Spiele auch über die Defense gewinnen können“, fasst Thorsten Leibenath die Leistungssteigerung im Schlussviertel zusammen. So konnten die Gastgeber um Trey Lewis (3 Steals) in den Schlussminuten endlich die notwendigen Stops generieren, um daraufhin von Downtown heißzulaufen. „Uns ist ein paar Minuten lang der Sprit ausgegangen, in denen Ulm seine Klasse gezeigt hat“, so der für Menz in die Presche gesprungene Assistenztrainer Steven Clauss.

Keystats Die 14 Offensivrebounds waren Thorsten Leibenath genauso zu viel, wie die 28 Assists, die Braunschweig zugestellt hatte. Da die Niedersachsen auch das Rebound-Duell (37/40) für sich entscheiden konnten, wird schnell klar, wie groß der Widerstand der Gäste über drei Viertel war. Dann aber zeigten die Uuulmer den unlängst von Ismet Akpinar eingeforderten Killerinstinkt und verwandelten sechs Dreier ohne Fehlwurf und entschieden somit das Duell von jenseits der 6,75-Meter-Linie für sich (46%/35%).

Spotlight Erstmals in dieser Saison drehte der Ulmer One-Two-Punch im Gleichschritt auf. War es Per Günther von der eins, der sein Team zu Beginn der Partie mit seiner heißen Hand aus der Distanz (4/5) im Spiel hielt, so war es der „Zweier“ Lewis, der im Schlussviertel aufdrehte und drei von fünf Dreiern versenkte.  Während Günther mit seinen 17 Punkten also den Weg ebnete, war es Lewis – ebenfalls mit 17 Zählern – der den Sack zumachte.

Play-by-Play

1. Viertel (24:22): Wer anders als der Braunschweiger Topscorer sollte für die Gäste die Anfangsminuten dominieren: Scott Eatherton eröffnete nicht nur den Punktereigen, sondern war für die ersten 7 Zähler seines Teams zuständig. Das Trio aus Isaac Fotu, Per Günther und Ismet Akpinar wusste aber zu kontern und als der Kapitän bereits seinen zweiten Dreier (2/2) versenkte, lag ratiopharm ulm nach fünf Minuten mit 17:9 vorne. Doch ebenfalls von Downtown brachte Thomas Klepeisz die Gäste mit zwei Treffern wieder auf Tuchfühlung (19:15) bzw. Landsdowne sogar in Front (19:20). Da’Sean Butlers Distanztreffer trotz Foul (10.) sorgte aber für den erneuten Führungswechsel vor der Viertelpause.

2. Viertel (15:18): Zu Beginn des zweiten Spielabschnitts war dann die Zeit für Jerrell Benimons erste Bundesliga-Zähler, die er per schönem Drive zum 26:24 erzielte (12.). Nach einem Benimon-Assist im Fastbreak auf Trey Lewis konterten die Löwen aber ebenso mit zwei Schnellangriffen zum Ausgleich (28:28). Und als Klepeisz wenig später seinen dritten Dreier versenkte, wechselte die Führung wieder auf die Seite der Gäste (30:33, 15.). Doch dies ließ Per Günther nicht lange auf sich sitzen: Mit seinem dritten Dreier besorgte der Kapitän den 10. Führungswechsel (insgesamt 19), den Braunschweig mit einem Buzzer-Beater zum 39:40-Halbzeitstand beantwortete.

3. Viertel (25:24): Die defensive Intensität schienen die Mannschaften dann zunächst in der Kabine vergessen zu haben: Beide Teams punkteten beinahe ungestört hin und her, sodass alleine in den ersten zwei Spielminuten 14 Punkte im Statistikbogen vermerkt wurden und die Partie eng blieb (47:46). Ins Stocken geriet dann aber der Ulmer Angriff. Während Benimon & Co. ihre erkämpften zweiten Chancen (4 Offensivrebounds im 3. Viertel) nicht in Punkte verwandelten, krallte sich Eatherton auf der anderen Seite alleine 3 Abpraller am offensiven Brett, die sein Team meist verwertete (48:53, 25.). Dreipunktspiele von Harangody (26.) und Thompson (29.) und Günthers vierter Dreier (26.) weckten dann aber die Ulmer Emotionen, die auf das Publikum sofort ansteckend wirkten und die Ulmer zurück in Spiel brachten (64:61), wenngleich Landsdowne per Dreier erneut den Buzzer zum Ausgleich schlug.

4. Viertel (24:13): Apropos Dreier: Nach 5/16 aus der Distanz schienen sich die Uuulmer ihre ganze Shooting Power für das Schlussviertel aufgehoben zu haben: Eröffnet von Da’Sean Butlers Distanztreffer und einem Benimon-Dunk (69:64, 32.) legten Harangody und Trey Lewis, angetrieben von einer galligeren Ulmer Defense (4 Steals), die nun die notwendigen Stops generierte und Braunschweig zu Fehlern zwang (7 Ballverluste), jeweils doppelt von jenseits der 6,75 Meter nach (83:68, 35.). Und als Lewis wenig später auch den sechsten Dreier bei sechs Versuchen im Schlussviertel erfolgreich zum 86:72 versank, war die Vorentscheidung drei Minuten vor dem Ende gefallen.

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Die Art und Weise, wie wir im vierten Viertel aufgetreten sind, war gut, doch gleichzeitig muss man auch Braunschweig Respekt für eine starke Leistung zollen. Sie haben 28 Assists gesammelt, auch das Rebounding-Duell gewonnen und uns in arge Bedrängnis gebracht. Weil wir uns noch nicht ganz gefunden haben, war uns heute die Unsicherheit anzumerken, aber es spricht für den Charakter dieser Mannschaft, dass wir uns berappelt haben und das Spiel über die Defense gewonnen haben. Mit wichtigen Stops haben wir Selbstvertrauen getankt und dann die wichtigen Würfe getroffen.“

Steven Clauss (Assistant Coach Basketball Löwen Braunschweig): „Ich habe Thorsten vor dem Spiel gesagt, dass wir die Großen ein bisschen ärgern wollen und das ist uns auch ganz gut gelungen. Über drei Viertel haben wir unsere Ziele voll erreicht, im vierten Viertel dann aber die Klasse von Ulm zu spüren bekommen. Vier Minuten lang ist uns der Sprit ausgegangen, das hat uns das Spiel gekostet. Dennoch fahren wir erhobenen Hauptes nach Hause.“

Good to know Die Zahlen lassen es nicht vermuten, doch Thorsten Leibenath war trotz der unglücklichen Wurfausbeute von 3/11 mit dem Heimdebüt von Jerrelle Benimon  zufrieden. Denn anders als vielleicht einige Beobachter kommt es dem Head Coach nicht primär auf die Wurfquote, sondern vielmehr auf das Entscheidungsverhalten an. Und hier lag der 2,03 Meter große Wühlbüffel (6 Rebounds, 2 Assists) meist richtig. Das mit den Treffern komme schon noch, so Leibenath.

Fotos Alexander Fischer, Harry Langer

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