Gekämpft, gebissen, verloren

ratiopharm ulm unterliegt in Bamberg nach hartem Kampf mit 80:77 (40:38) und beweist im Schlussviertel Moral und defensive Stärke.

Shortcut ratiopharm ulm unterliegt nach einer starken kämpferischen Leistung und einem zeitweiligen 12-Punkte-Rückstand mit 80:77 beim Deutschen Meister in Bamberg. „Wir haben Charakter gezeigt und uns durch unsere harte Verteidigung zurückgekämpft. Wir haben uns nichts vorzuwerfen“, resümiert Ismet Akpinar, der das Spiel mit 6 Punkten, 4 Assists und 2 Steals beendete. Nach einem deutlich verlorenen dritten Viertel (25:15) warfen die Gäste im Schlussabschnitt alles in die Waagschale und gingen in der 38. Minute sogar in Führung (76:77). In der Folge trennten ratiopharm ulm nur Millimeter bzw. einige nicht gegebene Foulpfiffe vom Sieg.

Keystats Der im Vorfeld so häufig thematisierte Kampf um die Rebounds ging knapp an Bamberg (33: 29). Während ratiopharm ulm fast 5 Rebounds unter seinem Saisonschnitt blieb, übertrafen die Oberfranken ihr Saisonmittel (31,5). Waren die Bamberger in Halbzeit eins hauptsächlich durch ihre Big Men (Radosevic, Musli, Rubit) erfolgreich, hielten die Guards (Hacket, Hickman) die Zweierquote des Meisters hoch (66 Prozent). Den deutlichsten Unterschied im Scouting – neben dem Plus von sieben Ulmer Dreiern – findet sich bei den Freiwürfen: Bamberg trat 17 Mal mehr an die Linie und erzielte 16 Freiwurfpunkte mehr als die Gäste.  

Spotlight Ryan Thompson legte ein bärenstarkes Spiel an alter Wirkungsstätte hin: Mit 20 Punkten, 6 Rebounds und 4 Assists führte er sein Team an. Erneut stark bzw. als verlässliche Scorer zeigten sich Da`Sean Butler (18 Pkt, 4/8 Dreier, 5 Reb) und Isaac Fotu (14 Pkt, 2/3 Dreier). Ein starkes Schlussviertel gelang auch Trey Lewis, der 8 seiner 12 Punkte in den letzten 10 Minuten erzielte und in dieser Phase sein Team durch seine Attacken heranbrachte. Auf Bamberger Seite überragte Ricky Hickman, der seinen 21 Punkten 8 Assists zur Seite stellte.  

Play-by-Play

1. Viertel (21:21): War es zunächst das Duell zwischen Leon Radosevic (6 Pkt) und Isaac Fotu (4), das im Vordergrund stand, war es in der 6. Minute der zweite Dreier von Da`Sean Butler, der den starken Ulmer Start (7:14) veredelte. Es dauerte indes nur wenige Minuten, ehe die Gastgeber auf die Ulmer Taktik reagierten. Erst erhöhten sie den Druck in der Defensive, dann suchten sie das Post Up von Ricky Hickman gegen Per Günther. Günther, der daraufhin vom Feld ging, musste von der Bank aus zusehen, wie der Meister in der 8. Minute zum 16:16 ausglich. Dann war es Bambergs Neuzugang Dejan Musli (7 Pkt), der seine 2,13 Meter unter dem Korb effektiv in Szene setzte und die erste Bamberger Führung erzielte (19:18) – für den erneuten Ausgleich sorgte Toure Murry von Down Town.
2. Viertel (19:17): Nach 2:23 Minuten ohne Zählbares für beide Teams, war es der dritte Dreier von Butler, der die Gäste erneut in Führung brachte (21:24, 13.). Wenngleich Trey Lewis sich mit einem starken Drive zum 23:26 durchsetzte, verzettelte sich der athletische Guard in der Folge zu häufig und nahm daraufhin auf der Bank Platz. Mit Günther zurück auf dem Feld hieß die erste Option wieder Fotu, der sich gut unter dem Korb positionierte und in der 18. Minute aus der 6,75-Meter-Distanz zum 32:34 einnetzte. Dann war es der Ex-Ulmer Augustine Rubit, der mit vier Punkten in Serie wieder auf „Null“ stellte (38:38, 20.), ehe „Aug“ mit einem Dunk das 40:38-Halbzeitergebnis durch den Ring donnerte.

3. Viertel (25:10): Nach einer 2er-Quote von 78 Prozent in der ersten Halbzeit – für die hauptsächlich die Big Men verantwortlich waren –, überraschten die Bamberger die Gäste zu Beginn des zweiten Durchgangs mit zwei erfolgreichen Drives ihrer Guards (44:38). raiopharm ulm hingegen blieb seiner Stärke treu (43% 3er) und versenkte zwei (Fotu, Thompson) Distanzwürfe (45:46). Doch das hochprozentigere Spiel der Bamberger brachte den Gastgebern das Momentum, die in Dejan Musil den dominanten Turm unter dem Korb hatten (52:46, 25.). Trotz zweier Ulmer Ballverluste in Serie konnten es die Gäste zunächst verhindern, Bamberg auf zehn Punkte enteilen zu lassen. Tim Ohlbrecht assistierte Butler sehenswert zu seinem 16. Zähler (56:50), ehe Hickman aus der Distanz auf 59:50 erhöhte. Hickman war es dann auch, der in der 29. Minute die erste zweistellige Führung des Meisters erzielte (63:52).

4. Viertel (15:24): Dann war es ratiopharm ulm, das den Druck in der Defensive erhöhte und die von ihrem EuroLeague-Auftritt am Freitag angeschlagenen Bamberger müde machen wollte. Nach einem Dreipunktspiel von Trey Lewis war der Rückstand so peu à peu auf 65:59 gesunken. Auf der Uhr: noch 6:28 Minuten. Nach einem weiteren Lewis Drive legte Fotu ebenfalls ein Dreipunktspiel hin und es stand plötzlich 68:64. Aber es kam noch besser: Einem Dreier von Akpinar folgte einer von Lewis und der Rückstand betrug nur noch einen Punkt (72:71) bei noch 3:02 zu spielenden Minuten. Doch ratiopharm ulm gelang es nicht, Brose Bamberg ohne Foul zu stoppen. Als es einmal doch klappte, verwandelte Thompson den anschließenden Fastbreak zur ersten Ulmer Führung (76:77, 38.) seit der 23. Minute. Während Bamberg in der Folge zweimal punktete, fehlten bei den beiden Drives von Akpinar und Lewis Millimeter bzw. der Foulpfiff der Unparteiischen. 

Quotes

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Glückwunsch an Bamberg und auch Glückwunsch an meine Spieler. Wir haben heute sehr konzentriert gespielt. Auch durch den zweistelligen Rückstand hat sich meine Mannschaft nicht beeindrucken lassen. Im dritten Viertel haben wir zu passiv agiert. Wir wollten uns dem Tempo anpassen und schnell spielen. Letztlich hat es allerdings nicht gereicht, um Bamberg zu schlagen.“   

Andrea Trinchieri (Head Coach Brose Bamberg): „Es war ein großartiges Spiel. Wir haben von Anfang an mit Energie und Leidenschaft gespielt. Ulm hat auch eine tolle Leistung gezeigt. Wir haben heute bewiesen, dass wir auch in schwierigen Phasen den Ball gut bewegen und konzentriert zu Ende spielen und ein enges Spiel gewinnen können.“

Good to know  Am 20./21. Januar kommt es in der Pokalqualifikation zum Ausscheiden einer der beiden Topfavoriten, denn der FC Bayern empfängt Brose Bamberg im Audi Dome. Berlin hat gegen Ludwigsburg, das 17. Spieltag klar mit 86:67 in Ludwigsburg gewann, ebenfalls Heimrecht. Der Gastgeber der dritten Partie wird erst am 11. Januar ermittelt: Gewinnt Bonn in Bremerhaven, empfängt es Bayreuth, verlieren die Rheinländer übernimmt Frankfurt das Heimrecht. Die Halbfinals des am 18./19. Februar stattfindenden TOP FOURs werden am 27. Januar beim Ulmer Heimspiel gegen Jena ausgelost.

Fotos Daniel Loeb 

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