Verunsicherte Ulmer unterliegen Löwen

ratiopharm ulm verliert bei den Basketball Löwen Braunschweig mit 80:73 (33:37) und hat im Kampf um die Playoff-Plätze nur noch Minimalchancen.

Shortcut Auch im vierten Spiel nacheinander bleibt ratiopharm ulm ohne Erfolgserlebnis. Den Basketball Löwen Braunschweig unterlagen die Ulmer mit 80:73 und müssen fünf Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde in der easyCredit Basketball Bundesliga den nächsten herben Rückschlag im Kampf um die Playoff-Plätze hinnehmen. Dabei begann die Mannschaft von Head Coach Thorsten Leibenath in der Braunschweiger Volkswagenhalle mit viel Tempo (4:13) und konnte seine Führung bis ins 3. Viertel verteidigen. „Wir haben kämpferisch das gezeigt, was wir letzte Woche vermissen haben lassen“, so Thorsten Leibenath, der dann sah, wie seine „nach drei Niederlagen stark verunsicherte“ Mannschaft „teils hanebüchene Entscheidungen“ im Angriff traf und letztlich nicht nur das Spiel, sondern auch das Duell an den Brettern gegen Braunschweig um Top-Rebounder Scott Eatherton verlor.

Keystats Hatte ratiopharm ulm die Löwen in der ersten Halbzeit bei nur 13 Abprallern gehalten (Ulm 16), ging das Rebounding-Duell in der zweiten Hälfte klar an Eatherton & Co. (23:14). Als besonders schmerzhaft entpuppten sich dabei die 12 Braunschweiger Offensivrebounds. Denn die zweiten Chancen konnten die Löwen hochprozentig verwerten. Hochprozentiger trafen die Gastgeber auch an der Linie (24/32), während ratiopharm ulm Nerven zeigte und 10 seiner 24 Freiwürfe daneben setzte.

Spotlight Hatte Jerrelle Benimon Scott Eatherton im 1. Viertel noch gut unter Kontrolle gehalten (0 Pkt), konnten sich die Löwen in den verbleibenden 30 Minuten auf ihren unkonventionellen Center verlassen (16 Pkt, 14 Reb). Für die Big Plays war aber Nemanja Jaramaz zuständig: Der Serbe, der während der Saison von Erfurt nach Braunschweig gewechselt war, streute vier Dreier, davon zwei im Schlussviertel, ein (4/8) und agierte damit deutlich treffsicherer als es seine durchschnittliche Dreierquote (22%) vermuten ließ. 

Play-by-Play

1. Viertel (15:22): Nach dem schnellen 4:0 durch vier Braunschweiger Freiwürfe - denen zwei frühe Thompson-Fouls vorangegangen waren -, kurbelte ratiopharm ulm seinen Offensivmotor kräftig an. Mit ihrer aufmerksamen Verteidigung zwangen die Ulmer die Löwen zu sechs Ballverlusten, die sie mit viel Tempo und einem energetischen Katin Reinhardt (6 Punkte) in einfache Zähler verwandelten. Das Ergebnis war ein 0:13-Run (4:13), den die Gastgeber erst in der 6. Minute durch ihre ersten Zähler aus dem Feld beendeten. 4 weitere Reinhardt-Zähler konterten auch den ersten Dreier von DeAndre Landsdowne (9:17, 7.). Und weil Jerrelle Benimon gegen Scott Eatherton überzeugte, den Löwen-Topscorer bei null Punkten hielt und vorne an der Linie traf (4/6), ging Ulm mit einer 15:22-Führung in die Viertelpause.

2. Viertel (18:15): Auch weil Benimon nun seine erste Pause erhielt, nutzte Eatherton dies zu seinen ersten Zählern. Und als Eatherton den bereits dritten Landsdowne-Dreier noch mit einem eigenen Distanztreffer toppte, war Braunschweig auf einen Punkt dran (23:24, 13.). Das Duo Luke (Harangody) und Luka (Babic) gab dann ebenfalls von Downtown den „Crowd Silencer“ und ließ das Ulmer Polster wieder auf 24:30 (14.) anwachsen. Dennoch konnte ratiopharm ulm nicht mehr an sein schnelles und flüssiges Spiel aus dem 1. Viertel anknüpfen (5 Ballverluste) und blieb fast vier Minuten ohne Zählbares. Doch die Basketball Löwen konnten daraus - auch aufgrund der konzentrierten Ulmer Leistung in der Defensive und beim Rebounding (13:16) - nur bedingt Kapital schlagen, sodass die Gäste zur Halbzeit weiterhin die Nase vorne hatten (33:37).

3. Viertel (17:13): Die zweite Hälfte eröffnete Ulm mit einem „Fünfpunktspiel“: Nach Isaac Fotus ersten Punkten vergab der ratiopharm-Topscorer zwar seinen Zusatzfreiwurf, da sich sein Team aber den bereits 6. Offensivrebound sicherte, konnte Per Günther „vom Parkplatz“ nachlegen (33:42). Doch an den treffsicheren Beginn konnte ratiopharm ulm nicht anknüpfen: Nur drei Würfe aus dem Zweier-Bereich (3/11) konnten die Gäste einnetzen, während sich die Löwen um Eatherton, der bereits vor dem letzten Spielabschnitt sein Double-Double perfekt machte, Stück für Stück heranpirschten. Hatte die Führung so bereits munter vier Mal hin- und hergewechselt, flog Morse per Poster-Dunk über Tim Ohlbrecht hinweg zum 50:50-Ausgleich nach 30 Minuten.

4. Viertel (30:23): Und es schien als würden die Ulmer nun Nerven zeigen. Ein Ballverlust und ein unsportliches Foul gegen Reinhardt sorgten für einen schlechten Einstand ins Schlussviertel. Und als Babic gleich beide Freiwürfe vergab, konnte Klepeisz per Dreipunktspiel die Braunschweiger Führung auf 58:54 (34.) ausbauen. Eine dreifache Dreier-Stafette durch Günther, Babic und Reinhardt brachte Ulm wieder heran (64:63, 37.). Und nach einem Dreipunktspiel von Luka Babic konnte Isaac Fotu die Ulmer wieder mit 67:68 in Führung bringen - allerdings nur kurzzeitig: Vier Freiwürfe durch Klepeisz und der bereits vierte Dreier von Jaramaz bescherten Braunschweig ein 6 Zähler-Polster, das Braunschweig mit deutlich mehr Treffsicherheit an der Linie (75% / Ulm 58%) bis zum Ende verteidigte (80:73).

Quotes

Frank Menz (Head Coach Basketball Löwen Braunschweig): „Wir haben eine bärenstarke Partie gegen eine gute Mannschaft gezeigt. Es ist relativ schwierig für uns in der jetzigen Situation. Es geht, von außen betrachtet, um nicht mehr viel für uns. Für mich persönlich und für die Spieler geht es aber noch um eine ganze Menge. Wir wollen die letzen Spiele nicht alle verlieren. Wir haben ein ganz schweres Restprogramm und das wollen wir durchziehen. Es fällt mir sonst schwer, jemanden rauszuheben. Heute kann ich das aber mit Nemanja Jaramaz machen. Er hat defensiv in der ersten Halbzeit schon einen Riesen-Job gemacht, in der zweiten Hälfte dann auch offensiv.“

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Wir haben von der Intensität her gut in die Partie gefunden. Im Laufe des Spiels hat es Braunschweig geschafft, die Intensität raufzufahren, bei uns ist sie ein Stück runtergegangen. Das war dann auch letztlich der Grund, warum Braunschweig als Sieger vom Feld gegangen ist. In der Defensive war unser Eins-gegen-Eins-Verhalten mangelhaft und unser Reboundverhalten war nicht auf dem Niveau, wo es sein muss, um eine Mannschaft wie Braunschweig zu schlagen. Scott Eatherton hat erneut sehr viele Rebounds abgegriffen und in der wichtigen Phase gab es zwei Offensivrebounds für Braunschweig. Auch im Angriff hatten wir nicht die Leichtigkeit und Schnelligkeit, die nötig ist und wir haben Freiwürfe daneben gelegt. Da merkt man, dass meine Mannschaft nach drei Niederlagen verunsichert ist.“

Good to know Der Kampf um die Playoff-Plätze nimmt fünf Spieltage vor Ende der Hauptrunde an Geschwindigkeit auf: Während sich der Tabellenachte Fraport Skyliners nach einer zwischenzeitlichen 18 Punkte-Führung noch dem Primus München geschlagen geben musste (83:87), setzte der Zehntplatzierte s.Oliver Würzburg mit seinem 80:93-Auswärtssieg in Oldenburg ein dickes Ausrufezeichen und verbesserte sich mit der gleichzeitigen Ulmer Niederlage auf Rang neun.

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