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Mi, 09.10.2019

Chancenlos in Andorra

ratiopharm ulm kann dem Favoriten aus Andorra nur ein Viertel lang Paroli bieten und verliert sein zweites EuroCup-Spiel am Ende deutlich.

  • Derek Willis mit 22 Punkten Topscorer. 
  • Trefferquoten als deutlichster Unterschied. 
  • Vorentscheidung fällt im zweiten Viertel. 
Nach einem Start, der die Hoffnung auf die Überraschung in Andorra nährte (8:17), musste ratiopharm ulm die Klasse der Gastgeber anerkennen und verlor am Ende deutlich gegen MoraBanc Andorra. Mit 14 versenkten Dreiern und einer 68-prozentigen Quote aus dem Zweier-Bereich stellte Andorra ratiopharm ulm in der Verteidigung vor nicht lösbare Probleme. Und Andorra, das in der letzten Saison erstmals im EuroCup-Halbfinale ein Heimspiel verlor, hatte auf alle Ulmer Bemühungen eine Antwort: Wann immer ratiopharm ulm einmal ein offensives Ausrufezeichen gelang – wie der Dreier von Topscorer Derek Willis zum 92:75 – netzten die Gastgeber ebenfalls aus der Distanz ein. „Am Ende hat uns die Kraft gefehlt, das Spiel noch zu drehen“, erklärt Head Coach Jaka Lakovic, dessen Team mit Beginn der zweiten Halbzeit deutlich in Rückstand geraten war. 
Derek Wilis war mit 22 Punkten Topscorer. Foto: Marin Imtage
Im Fokus: Neun Ulmer Steals und nur sieben Ballverluste sind in Punkto Ballkontrolle gute Werte. Auch das letztlich deutlich verlorene Rebound-Verhältnis (36:20) wurde den Ulmern nicht zum Verhängnis. Der entscheidende Unterschied lag in der Feldwurfquote: Während Andorra aus dem Dreier-Bereich an den fünfzig Prozent kratzte und in Korbnähe fast 70 Prozent seiner Würfe versenkte, trafen die Ulmer aus beiden Bereichen unter 40 Prozent – aus dem Zweier-Bereich sogar nur 36,8 Prozent. 

Wie jede Partie im „Poliesportiu D'Andorra“ begann auch der zweite Ulmer EuroCup-Auftritt mit der Nationalhymne. Denn Andorra ist ja nicht nur eine Stadt oder ein Team, Andorra ist eine Nation. „Som un Pais“ heißt das auf Spanisch und bestimmt das Selbstverständnis der 2.400 Zuschauer, die die Partie verfolgten. Stolz war zu Beginn aber auch eine kleine Ulmer Reisegruppe, die die lange Anreise in die Pyrenäen auf sich genommen hatte. Denn ihr Team lag nach sechs gespielten Minuten mit 8:17 in Front. Offensiv treffsicher und defensiv aufmerksam dominierte ratiopharm ulm die Anfangsphase. Aber Andorra, das am Wochenende noch den FC Barcelona geschlagen hatte, fing sich schnell und zwang die Gäste zu schwierigen Würfen. Bis zur ersten Pause war so die Ulmer Führung auf einen Punkt zusammengeschmolzen (22:21).
Ganz großer Respekt an die Ulmer Reisegruppe. Foto: Marin Imtage
Und Andorra nahm das Momentum mit ins zweite Viertel. Mit einem 7:0-Run übernahm MoraBanc die Führung und machten es den Gästen mit zunehmender Spieldauer immer schwerer, Punkte zu erzielen (31:24, 14.). Der von Andorra erwartete Druck brachte ratiopharm ulm nachhaltig aus dem Konzept. Nachdem den Ulmern die Überraschung zu Beginn gelungen war, gestattete Andorra ratiopharm ulm im zweiten Spielabschnitt nur noch 15 Punkte. Schwerer noch als die offensiven Probleme der Gäste wog die enorme Treffsicherheit Andorras: Mit acht Dreiern (8/16) warfen sich die Gastgeber bis zur Halbzeit mit 51:37 in Front. „Wir haben die Aggressivität in der Verteidigung verloren“, ärgert sich Head Coach Lakovic über die 30 kassierten Punkte im zweiten Spielabschnitt. 

Wenngleich zu Beginn des dritten Viertels zwei Ulmer Steals gelangen, das Momentum wollte nicht wechseln. Trotz gut herausgespielter Würfe punktete ratiopharm ulm nicht und musste Andorra auf 62:41 davonziehen lassen. Fiel dann doch einmal ein Ulmer Dreier, wie der von Per Günther zum 67:44, antwortete Andorra postwendend und erstickte so die aufkeimende Hoffnung der Gäste im Keim. Wie abgezockt MoraBanc agierte, ließ sich dann zu Beginn des Schlussabschnitts noch einmal beobachten: Nach zwei guten Aktionen von Christoph Philipps – einem Dunk und einem Steal – plus dem Dreier von Willis, netzte David Jelinek staubtrocken den nächsten Dreier Andorras ein (79:57). Und das Hase-Igel-Spiel setzte sich fort: Ein Dreier von Topscorer Derek Willis zum 92:75 wurde umgehend aus der Distanz gekontert. So blieb ratiopharm ulm in seinem zweiten EuroCup-Spiel ab der zweiten Halbzeit ohne echte Siegchance.
Christoph Philipps nutzte sein Einsatzzeit effetiv. Foto: Marin Imtage
O-Ton
Jaka Lakovic: „Nach einem guten Start hat Andorra die Kontrolle über das Spiel übernommen. Sie haben ihre Dreier hervorragend getroffen und uns keine Chance gelassen, zurück ins Spiel zu kommen. Wir haben versucht mit derselben Aggressivität wie Andorra zu antworten, aber am Ende hat uns die Kraft gefehlt, das Spiel noch zu drehen.“ 

Und sonst? Was haben Killian Hayes, Per Günther, Daniel Theis, Robin Benzing und David Krämer gemeinsam? Ulmer Fans wissen es, denn sie waren dabei, als die genannten Profis ihre Karriere in Ulm begannen. Bemerkenswert wird es, wenn einer, der sich wie Stefan Koch sehr gut im deutschen Basketball auskennt, diese Evolutionskette zum Anlass nimmt und einen langen Text darüber verfasst. In seiner aktuellen Kolumne „Kochs Nachschlag“ nimmt der zweimalige Trainer des Jahres nach einem Vorortbesuch an der Donau den Ulmer Weg unter die Lupe. Dass Koch in seiner Analyse dazu kommt, dass der OrangeCampus die logische Konsequenz der Entwicklungsbemühungen in Ulm ist, ist nicht nur schlüssig dargelegt, sondern sehr lesenswert. 
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