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Mi, 11.12.2019

Ein gebrauchter Abend

Generalprobe vor dem Pokal-Viertelfinale misslingt: Letztes EuroCup-Heimspiel läuft an den Ulmern vorbei.

  • Kein Ulmer punktet zweistellig. 
  • Gavin Schilling mit elf Rebounds. 
  • BBU ’01 Specials ernten viel Applaus. 
Das letzte EuroCup-Spiel von ratiopharm ulm in eigener Halle „lief von Beginn an nur in eine Richtung“, wie Jaka Lakovic nach der klaren Niederlage gegen Monaco feststellte. Denn seine Mannschaft, die an diesem Abend nur 17 ihrer 65 Würfe traf, lief dem gesamten Spiel einem zunehmend größer werdenden Rückstand hinterher. Wenngleich ratiopharm ulm das Schlussviertel mit 23:16 für sich entschied und den Rückstand so in Grenzen hielt, konnte der Head Coach mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht zufrieden sein. „Es sah so aus, als ob wir mit der Situation, dass es für uns um nichts mehr ging, nicht zurechtkamen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Aber das darf keine Entschuldigung sein. Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, müssen wir jeden Abend abliefern“, so Lakovic. Der Testlauf vor dem Pokal-Viertelfinale am Samstag gegen Göttingen ging somit ziemlich daneben. Aber das muss ja nicht unbedingt ein schlechtes Omen sein, folgen verpatzten Generalproben doch nicht selten großartige Premieren.
EIne Typische Szene: Viel Kampf, wenig Zählbares. Foto: Harry Langer
Im Fokus: Wenngleich es für die Profis an diesem Abend so gar nicht lief, hatte eine Ulmer Mannschaft den Aufritt ihres Lebens: Die BBU ‘01 Specials, die im Rahmen der One Team Games eine fünfminütige Kostprobe ihres Könnens boten, strahlten übers ganze Gesicht, als sie nach ihrem Spiel in der Halbzeitpause mit viel Applaus verabschiedet wurden. Dem 14-jährigen Christian, der verletzt nicht am Spiel der „Specials“ teilnehmen konnte, wurde an diesem von allen EuroLeague- und EuroCup-Teams gefeierten One Team Spieltag eine ganz besondere Aufgabe zu Teil: Den ersten Sprungball zum Spiel warf nicht Star-Schiedsrichter Luigi Lamonica, sondern der Junge aus dem einzigen Ulmer Basketball-Team für Kinder mit geistiger Behinderung.
Die Specials mit dem pausierenden Kapitän Per Günther und Monacos Yakuba Outtara Foto: Harry Langer
Nach fünf vergebenen Würfen und einem 0:5-Rückstand erlöste Killian Hayes sein Team und zauberte mit einem Dreier die ersten Ulmer Punkte aufs Scoreboard. Wenngleich Hayes sein patentiertes Alley-Oop-Anspiel auf Grant Jerrett nachlegte, dominierten die Franzosen die Anfangsphase (7:15). Offensiv war die Ulmer Trefferquote (4/17 im ersten Viertel) einfach zu schwach und defensiv war ratiopharm ulm meistens einen Schritt zu spät dran. Nach acht gespielten Minuten, als Tyler Harvey erstmals nach einer fast zweimonatigen Verletzungspause wieder aufs Parkett trat, lag Monaco bereits mit zehn Punkten in Führung. So endete das erste Viertel (10:20), ohne dass die Gastgeber wirklich im Spiel angekommen waren.

Und das Ulmer Spiel bekam auch im zweiten Viertel nicht viel mehr Durchschlagskraft: Erst versenkte Yakuba Outtara einen Dreier, dann wurde Killian Hayes abgeräumt und als Erik Buckner relativ unbedrängt dunkte, stand es nach 14 gespielten Minuten 12:28. Für Sasa Obradovic war dies indes kein Grund, ruhig auf der Bank Platz zu nehmen. Als Zoran Dragic endlich ein Dreier gelang, ließ Monacos Trainer seine Spieler lautstark wissen, was er von ihrer Verteidigung hielt. Die Dominanz der Franzosen war indes nicht in Gefahr: Nach 16 Minuten war der Ulmer Rückstand auf 20 Zähler angewachsen (15:35). Die Uuulmer Fans quittierten einen 7:4-Run ihrer Mannschaft kurz vor der Halbzeit (26:43) dennoch mit einem Ulmer-Echo. 
Gavin Schilling sicherte sich 11 Rebounds. Foto: Harry Langer
Mit viel mehr Dampf, aber zunächst nicht mit mehr Erfolg, kamen die Ulmer aus der Halbzeitpause zurück. Wenngleich ratiopharm ulm deutlich physischer zu Werke ging, offenbarte sich nun die Qualität der Franzosen. Mit derselben Härte verteidigte der Tabellendritte der französischen Liga seine Führung (33:52, 25.). Und daran änderte sich auch bis zum Viertelende nichts (40:62). Und wenn es nicht läuft, kommt häufig auch noch Pech dazu: Diese Erfahrung machten die Ulmer im Schlussabschnitt, als sie mehrfach Abschlüsse aus aussichtsreichen Positionen in Korbnähe nicht verwandeln konnten. So blieb es bei der deutlichen Niederlage und der Erkenntnis, dass ratiopharm ulm an diesem gebrauchten Abend zu keiner Zeit wirklich in diesem Spiel angekommen war. 

O-Ton:
Jaka Lakovic: „Das Spiel war weit davon entfernt, was wir uns vorgenommen haben. Unser Plan war es konkurrenzfähig zu sein und mit einhundert Prozent zu spielen. Aus verschiedenen Gründen, die ich jetzt noch nicht benennen kann, konnten wir nicht unsere beste Leistung zeigen. Ich weiß nicht, ob wir gedanklich schon beim Pokalspiel am Samstag waren oder mental und physisch zu müde nach dem Sieg in Oldenburg am Sonntag. Aber das darf keine Entschuldigung sein. Wenn wir uns weiterentwickeln wollen, dann müssen wir jeden Abend abliefern. Gratulation an Monaco. Sie haben sehr solide gespielt, so wie sie es immer tun. Es war ein einseitiges Spiel und wir sind die ganze Zeit hinterhergelaufen. Ich wünsche Sasa und seinem Team alles Gute für den Rest der EuroCup Saison.
Sasa Obradovic wurde herzlich in Ulm empfangen. Foto: Harry Langer
Sasa Obradovic: „Zuerst muss ich sagen, dass es ein schönes Gefühl ist, wieder hier zu sein. Vielen Dank an die fabelhaften Fans für den herzlichen Empfang. Ich freue mich sehr, wieder in Ulm zu sein. Bezogen auf das Spiel war es wichtig zu gewinnen, auch wenn nicht alles gut war. Ich hatte das Gefühl, dass Ulm in Folge ihres Spiels in Oldenburg mental und physisch müde war. Sie sind ein junges Team, aber von dem, was ich bisher gesehen habe, hat der Verein eine gute Vorstellung davon, wie sie eigentlich spielen wollen. Auch wenn das Ergebnis keine große Bedeutung hatte, hat jedes Spiel für mich einen Wert. Da geht es nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern darum, wie meine Spieler auftreten.“ 

Und sonst? Soviel NBA-Präsenz war noch nie in der ratiopharm arena. Die Golden State Warriors, die Milwaukee Bucks, die Minnesota Timbervolves, die New York Knicks, die Dallas Mavericks und die Chicago Bulls hatte jeweils mindestens zwei Repräsentanten ihres Clubs abgestellt, um sich die Partie zwischen ratiopharm ulm und Monaco anzusehen. Vornehmlich ging es den NBA-Vertretern darum, sich einen Live-Eindruck von Killian Hayes zu machen. Drüber hinaus zeigten die Amerikaner aber auch großes Interesse an der strukturellen Entwicklung in Ulm. Der OrangeCampus ist somit schon Monate vor seiner Eröffnung ein Gesprächsthema in der besten Basketball-Liga der Welt. 
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