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Di, 25.12.2018

Der Formwandler

Dwayne Evans ist immer in Bewegung: Routine und Stillstand sind ihm ein Graus.

Fragt man Dwayne Evans, wie er sich selbst beschreiben würde, sagt er: „I don‘t know, I think I‘ve been a versatile guy my entire life.” Versucht man „versatile“ ins Deutsche zu übersetzen, stößt man umgehend auf die Wörter „vielseitig“, „variabel“ oder „wandlungsfähig“ – all das sind Attribute, die ziemlich treffend beschreiben, was Dwayne Evans ausmacht. Sowohl auf, als auch abseits des Parketts.

Dwayne Evans‘ Basketball-Geschichte beginnt in Bolingbrook, einem Vorort von Chicago. Als Sohn eines Basketball-Referees, der im Umland der „Windy-City“ Jugendspiele leitet, kommt Dwayne unvermeidlich früh mit dem Sport seines Vaters in Berührung. „Ich war vielleicht drei oder vier Jahre alt, als ich das erste Mal einen Basketball in der Hand hielt“, erzählt er. Mit seinem Vater ist Evans ständig in den Sporthallen von Illinois anzutreffen und das, obwohl der junge Dwayne Basketball anfangs gar nicht mag. „Mein Dad und ich waren ununterbrochen im Gym – auch dann, wenn ich gar nicht wollte. Die Liebe zum Spiel hat sich bei mir erst etwas später entwickelt.“ Neben Basketball probiert Dwayne in der Folge so gut wie alles andere aus, was das Athletik-Programm der Neuqua Valley High School zu bieten hat – egal ob Baseball, Football oder Leichtathletik. Erst in der achten Klasse entscheidet er sich für das Spiel mit dem orangenen Leder. 
Dwanye Evans im Duell mit Danilo Barthel. Foto: Harry Langer
In seinem letzten Highschool-Jahr liegen Dwayne dann mehre Uni-Stipendien vor. Nach einer kurzen Bedenkzeit entscheidet er sich im September seines Senior-Jahres für die  St. Louis University im Bundesstaat Missouri. Dort geht der 18-Jährige fortan für die Billikens auf Korbjagd – und das mit großem Erfolg: In vier Jahren spielt sich der Power Forward in die Rekord-Bücher der Universität und sammelt mit insgesamt 942 Rebounds die viertmeisten in der Geschichte der Hochschule. Durch seine 1.499 erzielten Punkte landet er auf Platz neun des All-Time-Rankings und stellt zudem einen neuen Rekord für gespielte Partien (134) auf. „Die Zeit in St. Louis war großartig, vor allem die Teilnahme am NCAA Tournament war etwas ganz Besonderes“, sagt Dwayne. Während seines Studiums qualifizieren sich die Billikens im Jahr 2012 erstmals seit zwölf Jahren wieder für die Teilnahme am wichtigsten College-Basketball-Turnier des Landes und nehmen auch in den folgenden zwei Jahren daran teil. Als unumstrittener Anführer des Teams hat Evans an diesen Leistungen einen erheblichen Anteil. „Dwayne ist das perfekte Beispiel für den Erfolg unseres Teams. Er ist stark unter den Brettern und in der Zone. Zudem hat er einen guten Wurf von außen, übertreibt es damit aber nicht. Er kann seine Stärken sehr gut einsetzen“, beschreibt sein damaliger Coach, Jim Crews, die Attribute von Evans.

Der Marathon-Mann zahlt einen teuren Preis

Dwanye Evan's World: Evans meditiert vor dem Spiel. Foto: Florian Eisebitt
Für die St. Louis University verpasst Evans so gut wie kein Spiel und steht insgesamt 123 Mal in der Starting Five – eine weitere beachtliche Statistik, die jedoch auch ihren Preis hat: Während der spielintensiven College-Zeit zieht sich Evans eine Entzündung an der Patellasehne zu, die ihn nach der Saison 2013/2014 zu einer monatelangen Pause zwingt. „Ich habe mich nie um die Schmerzen geschert, das hat sich am Ende gerächt“, erklärt Evans, der sich in der Folge einer circa sechs monatigen Reha unterziehen muss. „Diese Zeit war sehr hart für mich. Ich wusste nicht, ob ich jemals wieder spielen werde und mein Selbstvertrauen war dementsprechend im Keller. Ich kannte so eine Situation nicht, weil ich vorher noch nie so schlimm verletzt war.“ Eine Verletzung dieser Art kommt nie gelegen, zu Beginn einer Profikarriere ist sie indes besonders hinderlich. Denn der Marktwert eines College-Absolventen sinkt rasch. Nach einer langen Phase des Wartens, in die auch eine für Dwayne erfolglose NBA-Draft-Nacht fällt, ist er bereit für Europa. Genauer gesagt für Trier in Deutschland. 

Bei den Gladiators, die in der 2. Basketball Bundesliga (ProA) an den Start gehen, will Dwayne vor allem eines: Spielen, spielen, spielen! Und der Plan geht auf. In seiner ersten Saison in Deutschland erzielt der Forward in 35 Spielen durchschnittlich 15,7 Punkte und 8,6 Rebounds. Damit avanciert er nicht nur zum Topstar der Gladiatoren, sondern auch zu einem der effektivsten Spieler der ProA-Saison 2015/2016. Angeführt von Evans bezwingen die Gladiators im Playoff-Viertelfinale zunächst Kirchheim, ehe sie wenig später im Halbfinale an Science City Jena scheitern. Kurz nach dem Ausscheiden wird Dwaynes Abschied aus Trier verkündet. Nächstes Ziel: Gießen – erste Bundesliga. Für Evans ist damit nicht nur der nächste Schritt auf der Karriereleiter verbunden, sondern auch eine gehörige Portion Selbstvertrauen. 
Selbstgemalt: So sieht es in Dwaynes Wohnung aus. Foto: privat
Auch im Dress der 46ers geht Evans persönlicher Aufstieg weiter: Neben den 11,8 Punkten im Schnitt, beeindruckt der 2,01 Meter große Amerikaner als zweitbester Rebounder (7,1) der Liga. Dass diese Werte in der Folge auch Begehrlichkeiten bei anderen Clubs wecken, ist nur die logische Konsequenz. Am größten ist das Interesse im Sommer 2017 bei den MHP RIESEN Ludwigsburg, einem Playoff-Viertelfinalist. Für die Riesen spielt Evans erstmalig auch auf internationalem Parkett in der Basketball Champions League. Nach einem Jahr, in dem Evans seinen Punkteschnitt in der easyCredit BBL auf 12,8 verbessert und mit den Riesen ins Halbfinale der Playoffs einzieht, zieht es ihn weiter. 

In der Vorbereitung auf die aktuelle Saison steht der Name Dwayne Evans bei Thorsten Leibenath ganz oben auf dem Wunsch-Zettel. „Ich wollte ihn unbedingt haben“ sagt der Coach der Ulmer, dem vor allem Evans‘ „beeindruckender Lebenslauf“ imponiert: „Er hat sich hochgearbeitet und seine Mannschaften auf jedem Niveau besser gemacht. Das sagt viel über ihn aus.“ Gerade die Vielseitigkeit des Forwards ist für Leibenath das Hauptargument. „Er bringt sehr viel Energie und Physis mit, kann so gut wie jede Position verteidigen und verfügt auch in der Offensive über eine große Variabilität.“ Denn neben der bevorzugten Position des Power Forwards kann Evans auch auf der großen Flügelposition und als Center eingesetzt werden. Er bringt von allem etwas mit, und liefert so rasch genügend Gründe, um einen festen Platz in der Startaufstellung der Ulmer einzunehmen. 

In der Ruhe liegt die Kraft: Dwayne meditiert und zeichnet

Genauso vielseitig wie Dwaynes Spielstil sind auch seine Hair-Styles: Egal ob verschiedene Afro-Variationen, kurze oder lange Dreadlocks, Haarbänder in schwarz oder weiß – Dwayne probiert alles aus. „Ich mag es nicht, mich auf eine Sache festzulegen. Dinge zu verändern und anders zu machen, gefällt mir viel besser. Ich werde in Zukunft bestimmt noch einige neue Looks ausprobieren“, verrät er. Für die Umsetzung der verschiedenen Frisuren ist übrigens Freundin Mayuree verantwortlich. „Er weiß genau, was er haben möchte und fragt mich dann, ob ich das umsetzen kann. Meistens schauen wir uns dann gemeinsam YouTube-Tutorials an und ich frisiere ihn entsprechend“, erzählt sie und fügt schmunzelnd hinzu: „Nur bei den Afros bin ich unbeteiligt. Die trägt er immer, wenn er keine Lust auf irgendwas Spezielles hat.“ 

Kennengelernt haben sich die beiden während Dwaynes‘ Zeit in Ludwigsburg. Mit Mayuree teilt Dwayne vieles, unter anderem die Leidenschaft fürs Zeichnen: „Wir machen das beide sehr gern, vor allem zusammen. Bei mir hat das schon in der High-School angefangen mit Animes oder Cartoons. Als Mayuree mir dann erzählte, dass sie auch regelmäßig zeichnet, wurde mein Interesse natürlich umso mehr geweckt“, erzählt der Hobby-Künstler. Bewundern kann man die Zeichnungen der beiden auf Instagram, wo Mayuree via Story-Modus Ausschnitte der Bilder präsentiert.

Text: Nils Bernemann

Die komplette Story über Dwayne Evans und noch vieles mehr gibt's ab sofort im neuen OrangeZonge.Magazin #2 - designed by HALMA.
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