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Mo, 23.12.2019

Derek macht sein Ding

Auf dem Feld ist Derek Willis ein kompromissloser Kämpfer. Privat ist der „Native American“ schwerer zu fassen.

Es ist 9.15 Uhr. Derek Willis lässt sich die Sprunggelenke von Physiotherapeut Andreas Lacher mit Tapeverband stabilisieren. Bis zur ersten Trainingseinheit an diesem kalten Herbsttag ist es noch mehr als eine Stunde hin. „Ich stehe immer um acht oder halb neun auf. Ich brauche die Zeit, um zu frühstücken.“ Wer vor dem 2,06 Meter großen Athleten steht, kann sich gut vorstellen, wieviel Energie der 24-Jährige braucht, um auf Touren zu kommen. Wenn Derek wenig später von seinem Leben erzählt, das seinen Anfang im Wind River Indian Reservation nahm, offenbart sich ein Mensch, der so gar nicht zu den furchteinflößenden Tattoos auf seiner Haut zu passen scheint.
Voller EInsatz, volle Konzentration: Derek Willis. Foto: Swen Pförtner
Wer einen ersten Eindruck von Derek Willis‘ Leben bekommen möchte, muss sich nur seinen Instagram-Account anschauen. Zusammen mit seiner Frau Keely zeigt er der Welt dort viele schöne Bilder. Das Paar gemeinsam in Prag, in Amsterdam, an einem Strand in der Dominikanischen Republik. Dann natürlich die obligatorischen Sportler-Fotos: An der Uni in Kentucky, in der G-League und seit 2018 in der BBL. Es sind aber auch einige Aufnahmen dabei, die man so eher selten sieht. Zum Beispiel das Bild mit Muhammad Ali. Der Basketballer und der Boxer recken beide ihre Fäuste in die Kamera. Wer ein Foto mit dem „Greatest of all Time“ ergattert, muss wohl so eine Pose einnehmen. Doch erstaunlicher als der Schnappschuss selbst ist die Tatsache, dass Derek bei Ali eine Art Privataudienz hatte. „Sie haben das Museum zugemacht“, erinnert sich Derek an den Tag, als das College-Team der Wildcats das Muhammad Ali Center in Louisville besuchte. Fast 9.000 Quadratmeter groß, verteilt auf sechs Stockwerke, einfach dichtgemacht. „Es war ein verrücktes Gefühl“, sagt Derek. Wie Ali kommt er aus Kentucky, dem Pferde-Staat im Mittleren Westen der USA. „Ali ist eine Legende in Kentucky, jeder kennt ihn“, sagt der Basketballer. „Als Athlet faszinieren mich seine Besessenheit im Training und sein Selbstbewusstsein. Für viele wirkte Ali arrogant, aber bei all der Show hat er immer die Wahrheit gesagt.“

The Greatest of all Time als Vorbild. Foto: Privat
Der unbeugsame Boxer ist damit das perfekte Vorbild für Derek, der von klein auf sein eigenes Ding macht. „Er hat sich nie sonderlich vom Gruppenzwang beeinflussen lassen“, sagt Vater Del Willis über seinen Sohn. „Er hatte schon immer seinen eigenen Kopf.“ Auf der Hofeinfahrt hat der 56-jährige Ex-Basketballer den Sohnemann bis zur zehnten Klasse im Eins-gegen-Eins dominiert. Von seiner zweiten Leidenschaft, dem Yu-Gi-Oh Kartenspiel, hatte Del Willis aber keinen Schimmer. Das Fantasy-Kartenspiel, das auf einem japanischen Manga basiert, hat sich der Sohn selbst beigebracht. „Derek war der einzige Junge, der im Basketball und bei Yu-Gi-Oh in einem nationalen Ranking geführt wurde“, erinnert sich der Vater grinsend. Dabei beherrschte Derek das Fantasy Game so gut, dass er bei den US-Meisterschaften vor einigen Tausend Zuschauern zockte. „Das war eine coole Erfahrung“, sagt Derek, der sich selbst als Nerd bezeichnet. Meint man mit dem Begriff einen Typen, der jede Art von Spielen liebt, und der in der Lage ist, ein Basketballspiel in seine Einzelteile zu zerlegen, trifft man Derek ganz gut. Versteht man unter Nerd allerdings einen Menschen, der die Scheuklappen runterlässt und sich nur für sich selbst interessiert, hat das wenig mit Derek zu tun.

Derek und Zach beim Zocken. Foto: Privat
„Ich würde mich als weltoffenen Menschen beschreiben“, sagt Derek Willis. „Es geht mir darum, verschiedene Perspektiven und immer zwei Seiten einer Geschichte zu sehen.“ Übersetzt in die Bildsprache eines Tattoos, ziert diese Überzeugung seine rechte Schulter. Zu sehen ist ein Totenkopf, dessen Augenhöhlen blutig sind und der auf der knöchernen Stirn das Auge der Erkenntnis trägt. Hört sich gruselig an und wird von Derek in einem Instagram-Post so beschrieben. „Close your eyes and open your mind.”

Als das Video von Zach auftaucht, ist es Dereks Freundin Keely, die die Augen offen hat. Keely, die heute seine Frau ist und der Derek vor einem College-Basketballspiel und mehr als 20.000 Menschen einen Antrag gemacht hat, fällt der Junge auf. In einem Internet-Video wird auf die seltene Autoimmunerkrankung Progerie hingewiesen. Die betroffenen Kinder – weltweit gibt es nicht viel mehr als hundert Fälle – altern extrem schnell. In dem Clip ist Zach circa zehn Jahre alt und hat den Körper eines Hundertjährigen. Da der Junge aus Lexington kommt, der Stadt, in der das Paar studiert, laden sie Zach und seine Familie zu einem Spiel der „Wildcats“ ein. Später entwickelt sich eine Freundschaft. Auf Instagram sieht man Derek und Zach beim Bowlen, auch bei seiner Hochzeit ist der Junge dabei. Unter den Post, mit dem Derek Zach zum Geburtstag gratuliert, schreibt er: „Happy birthday to the kid, that changed my life forever.“

Die ganze Geschichte über Derek Willis lesen Sie in der aktuellen Ausgabe #2 des OrangeZone.Mags. 
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