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So, 28.07.2019

„Ich habe immer sehr gern in Ulm gespielt.”

Im Interview spricht Andreas Obst über seine Zeit in Spanien, Jaka Lakovic und seine Erinnerungen an die ratiopharm arena.

Er ist der erste Ulmer Neuzugang. Bei einer Stippvisite in Ulm zwischen Medical Test im RKU und Vorbereitung auf den Nationalmannschaftssommer nimmt sich Andi Obst Zeit für ein entspanntes Gespräch. 

Andi, nach einem Jahr in der spanischen ACB kehrst du wieder in die BBL zurück – obwohl du eigentlich längerfristig bei Obradoiro in Santiago unterschrieben hattest. Was hat dich zu diesem Schritt bewogen?
Das ergab sich letztlich sehr schnell. Ich hatte mich schon darauf eingestellt, dass ich nach der Sommerpause in mein zweites Jahr in Spanien gehe und hatte mich auch darauf gefreut. Dann hat aber Jaka Lakovic den Kontakt zu mir gesucht und sich mit mir in Verbindung gesetzt. Er hat mir am Telefon von seinen Plänen und Vorstellungen, seinem Spielverständnis und meiner Rolle erzählt. Dazu kommt, dass Ulm nächste Saison wieder im EuroCup dabei ist. Außerdem habe ich immer sehr gern in Ulm gespielt – die Stimmung in der Halle ist auch für Gastmannschaften etwas Besonderes. Das waren alles sehr reizvolle Gründe.

Bei deiner Verpflichtung hast du davon gesprochen, dass dich Jaka Lakovic und seine Spielidee überzeugt haben. Von welcher Art Basketball hat der neue Ulmer Head Coach gesprochen?
Er will schnell spielen und einiges vom spanischen Basketball mitbringen – das freie Spiel, die Schnelligkeit. Am Ende hängt es an uns als Spieler, wie wir das umsetzen. Aber ich denke, er hat eine Philosophie und eine Grundidee und das wird auch funktionieren.
Nationalspieler Andreas Obst kämpt um einen Platz im WM-Kader. Foto: FIBA
Spanischer Basketball und Andi Obst – diese Kombination scheint irgendwie zu passen. Gegen die beiden Powerhouses Madrid und Barcelona hast du in der letzten Saison deine besten Spiele gemacht.
Ich habe letztes Jahr gemerkt, dass mir die Spielart liegt. In Spanien wird sehr intelligent gespielt – mit hohem Basketball-IQ, vielen kleinen Tricks und Fakes. Da kommt es dann auch auf die Details an. Man hat auch in der BBL gesehen, dass die Spielweise beispielsweise bei Berlin und Vechta erfolgsversprechend ist. Die Spiele gegen Barcelona und Madrid – das waren Tage, da lief es einfach. Ich hatte mich riesig darauf gefreut und wenn man dann auch noch einen Sahnetag erwischt, ist das umso schöner.

Und dennoch war davon in den deutschen Medien fast nichts zu lesen. Hattest du das Gefühl als deutscher Nationalspieler im Ausland ein wenig vom Radar zu verschwinden?
Das habe ich nicht mitbekommen. Das war mir in dem Moment aber auch egal, weil ich mich gern auf das konzentriere, was vor mir passiert. Ich habe in Spanien Basketball gespielt, dort hat man es wahrgenommen und in Spanien wird man auch als der Spieler respektiert, der man ist. Das ist auch ein Unterschied zur deutschen Liga. Klar schauen auch die Coaches in Spanien auf Stärken und Schwächen. Dennoch geht es vielmehr darum, die Stärken jedes Einzelnen hervorzuheben und die jeweiligen Schwächen dann als Team zu kompensieren. Darüber hinaus müssen auch die Charaktere zusammenpassen. Man wird dort weniger in eine Schublade gesteckt.

Du hast in der letzten Saison auch zwei Mal gegen Badalona – damals noch mit Jaka Lakovic als Assistant Coach – gespielt. Habt ihr euch gegenseitig wahrgenommen?
Ich wusste zwar, wer er ist. Aber persönlich kennengelernt haben wir uns dort noch nicht. Klar, über drei Ecken kennt man sich vielleicht doch irgendwie, aber den ersten echten Kontakt gab es jetzt am Telefon.
Andreas Obst hat acht WM-Qualifikationsspiele absolviert. Foto: FIBA

„Ich möchte mich in allen Aspekten des Spiels entwickeln.“

Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat sich deine Dreierquote über die Saison in Santiago nicht nur stabilisiert – mehr als 43 Prozent sind persönlicher Karrierebestwert. Und das obwohl der Distanzwurf schon immer eine deiner Stärken war.
Am Ende war ich davon selbst ein bisschen überrascht. Das ist schon eine stabile Quote, vielleicht hätte es sogar noch ein bisschen mehr sein können. Am Anfang brauchte ich ein wenig Zeit zum Akklimatisieren, weil das System in Santiago etwas untypisch war. Es war organisiert, aber für die Werfer ging es viel darum zu laufen, über Blöcke zu gehen. Nach einer Weile kam ich damit immer besser zurecht, habe mich wohl gefühlt und es als Routine verinnerlicht. Dann lief es wesentlich besser.

Darüber hinaus hast du schon in Gotha unter Beweis gestellt, dass du ein unangenehmer Verteidiger sein kannst und dich auch vor Verantwortung und entscheidenden Würfen nicht scheust. Sind das die essentiellen Säulen in deinem Spiel?
Ja, das würde ich schon sagen. Das mochte ich schon immer. Ich habe schon als Jugendlicher die EuroLeague verfolgt und versucht mir Sachen abzuschauen. Vor allem in der Crunchtime bei den Spielern, die sich nichts anmerken lassen, die einen kalten Blick haben und sich nur auf das Spiel konzentrieren. Und dann war ich fasziniert von deren Entscheidungen – egal ob es Würfe, Pässe oder defensive Stopps waren. Deswegen versuche ich auch defensiv dem Spiel meinen Stempel aufzudrücken. Das wurde mir auch in der Jugend beigebracht. Ich möchte mich in allen Aspekten des Spiels entwickeln und unter Jaka Lakovic als Allrounder einsetzbar sein.

Das komplette Interview – und noch vieles mehr (z.B. das Portrait über Anton Gavel oder über Marius Stoll) lest ihr ab sofort im neuen OrangeZonge.Magazin #5 - designed by HALMA.  
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