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Mi, 24.10.2018

Gute Phasen reichen in Andorra nicht

ratiopharm ulm verliert bei MoraBanc Andorra auch sein zweites Eurocup-Auswärtsspiel und muss sich vor allem ein schwaches zweites Viertel anlasten.

  • Ohne Gavin Schilling gerät Ulm im 2. Viertel (29:15) ins Hintertreffen
  • Aggressives Ulmer Aufbäumen läuft gegen Andorras Teamplay (26 Assists) ins Leere
  • Ismet Akpinar stellt mit 27 Punkten einen neuen Karrierebestwert auf
ratiopharm ulm kassiert im vierten Gruppenspiel des 7DAYS Eurocup seine dritte Niederlage. Im 1000 Meter hoch gelegenen Andorra zeigte das Team von Thorsten Leibenath streckenweise guten Basketball – abzulesen an drei ausgeglichenen Vierteln. Doch was fehlte, war die Reife und Beständigkeit: Nach frühem Oberwasser (1. Viertel: 20:25) brachten sieben Ballverluste Ulm im zweiten Abschnitt um die Führung. „Andorra hat das bestraft und die Führung nicht mehr abgegeben“, so Head Coach Leibenath, der bilanzierte: „Unser schlechtes zweites Viertel war entscheidend.“ Was dann folgte, war eine Verfolgungsjagd, in der die Schwaben gegen souverän auftretende Hausherren (26 Assists / 9 Turnovers) den Bock nicht mehr umstoßen konnten. „Wir hatten die Chance, ein Auswärtsspiel zu klauen. Jetzt müssen wir unsere Heimspiele gewinnen und ein anderes Spiel auswärts klauen“, so Leibenaths Zwischenfazit nach vier Eurocup-Spieltagen.

„Wir müssen aber besser mit unseren Möglichkeiten umgehen, die uns ein Spiel bietet.“ Patrick Miller

Das Fundament legte einer, der gegen Berlin noch gefehlt hatte: Javonte Green, dem man seine Augapfelprellung nicht mehr anmerkte, erzielte fünf der ersten sieben Ulmer Zähler zur 5:7-Führung (2. Minute). Auf der Gegenseite war es Zauberzwerg Andrew Albicy, der anfangs nicht verfehlte: Den zweiten Gäste-Dreier durch Max Ugrai beantwortete der 1,78-Meter-Mann mit seinen Punkten acht bis zehn zum 15:14 (6.). Dank starker Quoten (8/12 FG) blieben die Schwaben aber tonangebend: Der engagierte Akpinar stellte Andorra mit Punkten (8) und gezogenen Fouls vor Probleme, und hinten zwang Ulm die Gastgeber nun zu schweren Würfen. Die Folge: Eine 5-Punkte-Führung (20:25) nach zehn Minuten.
 
Das zweite Viertel begann mit weniger Offensiv-Glamour und fünf andorranischen Zählern zum Ausgleich (25:25, 12.). Schwerwiegender war aber, dass Ulm bereits nach drei Minuten die Foulgrenze erreichte. Die Hausherren nutzten das Foul-Ungleichgewicht, um mit 5 Freiwürfen auf 36:31 davonzuziehen (16.). Während Andorra die Maxime ihres Coaches – „stay solid“ – beherzigte und offensiv jetzt fast fehlerlos operierte, stockte das Ulmer Spiel vor allem im Spielaufbau: 7 Ballverluste im zweiten Viertel spielten Andorra auf dem Weg zu einer 49:40-Pausenführung in die Karten.
Patrick Miller ging mit Energie voran, verbuchte allerdings auch drei Ballverluste. Foto: Martin Imatge
Defensiv begann die 2. Hälfte vielversprechend – doch offensiv mangelte es an Treffsicherheit und Fortüne. Als Akpinar die Seinen nach 200 Sekunden erlöste, hatte Andorra den Vorsprung bereits zweistellig gestellt (56:43, 23.). Nach dem höchsten Rückstand des Spiels (60:45, 25.) war es Katin Reinhardt, der Ulm mit 5 Zählern am Leben hielt. Das Spiel nahm nun Fahrt auf: Zwei wilde Dreier von Andorras Ennis, die auf 16 Zähler Differenz stellten (71:55, 18.), konterten Reinhardt und Co. mit einem 8:0-Run. Vor dem Schlussviertel war der Club aus dem Fürstentum wieder in Sichtweite (73:63).

Einen holprigen Start ins Schlussviertel machten dann Krämer und der starke Ugrai wett – prompt waren es nur noch sechs Zähler Unterschied (80:74, 33.). Doch es fehlte an Konstanz, um Andorra wirklich zu gefährden. Sinnbildlich: Die 36. Minute, als ein Ulmer Einwurf beim Gegner landete und in ein andorranisches And-One zum 88:77 mündete. So blieb auch das Vier-Punkt-Spiel, mit dem Topscorer Akpinar 78 Sekunden vor Schluss auf 98:91 verkürzte, nur Ergebniskosmetik. 

„Die Niederlage ist bitter, weil wir eben die Chance hatten, ein Auswärtsspiel zu klauen.“ Thorsten Leibenath

Javonte Green ist zurück und macht da weiter, wo er aufgehört hat. Foto: Martin Imatge
Im Fokus Ismet Akpinar erlebte erneut einen Gala-Abend im Eurocup. Zwei Wochen, nachdem der 23-Jährige Galatasaray Istanbul 26 Zähler eingeschenkt hatte, übertraf Akpinar mit 27 Punkten erneut seinen Karrierebestwert auf europäischem Parkett. Bemerkenswert: Nur ein Fehlversuch von „downtown“ trennte den Scharfschützen von der perfekten Wurf-Ausbeute (4/4 Zweier, 3/4 Dreier, 10/10 Freiwürfe). Akpinar stellte sich bei Andorra das Guard-Trio Quincy Albicy (17 Punkte), Dylan Ennis (16) und David Jelinek (15) entgegen.

Thorsten Leibenath: „Es war ein interessantes und spannendes Spiel – aber auch eines, das zu sehr von der Offensive geprägt war. Wir hatten unsere Chancen dieses Spiel zu gewinnen, aber unser schlechtes zweites Viertel war entscheidend. Hier haben wir den Ball zu häufig verloren und nicht gut verteidigt. Andorra hat das bestraft und die Führung nicht mehr abgegeben. Die Niederlage ist bitter, weil wir eben die Chance hatten, ein Auswärtsspiel zu klauen. Jetzt müssen wir unsere Heimspiele gewinnen und ein anderes Spiel auswärts klauen.“

Patrick Miller: „Auch wenn der Trip nach Andorra anstrengend war, haben wir das Spiel mit dem richtigen Fokus und viel Energie begonnen. Wir müssen aber besser mit unseren Möglichkeiten umgehen, die uns ein Spiel bietet. Generell muss unser Fokus auf der Verteidigung liegen. Wenn wir alle unsere Egos hintenanstellen, dann wird es uns auch gelingen, aus diesem Loch rauszukommen, in das wir uns gebracht haben.“
Max Ugrai gelang mit 12 Punkten sein bisher bestes Spiel in orange. Foto: Martin Imatge
Und sonst? Die Hälfte des aktuellen Budgets Andorras – das nach Clubangaben bei ca. fünf Millionen Euro liegt – finanziert die Regierung des 80.000-Einwohner-Staats, die andere die Landesbank MoraBanc. Die Bank war es auch, die Andorra 2014 den Aufstieg in die spanische ACB ermöglichte: Dafür musste der Club eine Einlage von fünf Millionen Euro hinterlegen. MoraBanc kam dafür auf und sicherte sich dadurch das Naming Right für zehn Jahre. Ein Spieler, der in Andorra dasselbe Gehalt verdient wie beispielsweise in Ulm, hat indes deutlich mehr davon: Der Steuersatz für Arbeitnehmer liegt in Andorra lediglich bei zehn Prozent. 
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