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Di, 17.09.2019

Noch 7 Tage: Die Ruhe…

… vor dem Sturm! Zoran Dragic hat die Basketball-Welt gesehen – den 30-jährigen Slowenen bringt so schnell nichts aus der Fassung.

Wenn Zoran Dragic seine Geschichte in einem Hotelzimmer in Frankfurt erzählt, wirkt er so ruhig wie der See, in dem er als kleiner Junge in Slowenien mit seinem Vater fischen war. Wenn Dragic hingegen auf dem Feld steht, ist er ein Derwisch. Einer, der mit seiner Energie schon manches Spiel gedreht hat – sei es in der NBA, der EuroLeague oder der slowenischen Nationalmannschaft.

Zoran, wann hast du das letze Mal gegen deinen Bruder Eins-gegen-eins gespielt?
 Mann, das ist wirklich lange her. Damals müssen wir zehn oder elf Jahre alt gewesen sein. Seit wir beide professionell spielen, haben wir es nicht mehr gemacht. Der Wettkampf zwischen uns ist einfach zu groß. Wenn wir es dann doch einmal gemacht haben – im Training der Nationalmannschaft kam es glaube ich einmal dazu – haben wir uns nach zwei, drei Aktionen in die Haare bekommen. Deshalb haben wir es gelassen. 

Du bist drei Jahre jünger als Goran. Er spielt noch heute in der NBA und verdient einen Haufen Geld. War es unter euch Brüder je ein Thema, wer erfolgreicher ist?
Früher schon. Da war es für mich wie ein Stachel, der mich angespornt hat. Ich bin ja auch immer mit ihm verglichen worden oder war eben „der Bruder von“. Letztlich war Gorans Erfolg aber eine unheimlich große Motivation für mich. Ich wollte den Leuten beweisen, dass ich Zoran bin, also ein Spieler, der seinen eigenen Weg geht. Ich glaube das ist mir letztlich auch gelungen. 

Wie war das für euch, als ihr 2014/15 gemeinsam für Phoenix und Miami in der NBA gespielt habt?
Das war unglaublich. Seit wir beide professionell spielen, haben wir uns ja nur im Sommer gesehen – und dann auch nur für ein paar Wochen. Fast zehn Jahre lang lief das so ab. Als wir zusammen für Phoenix in der NBA gespielt haben, war es dann wieder wie früher. Wir haben dasselbe Zimmer geteilt, waren immer zusammen – im Training und eben auch auf dem Court. Das war sicherlich die beste Zeit meiner Karriere.  
Vor der Abreise in die NBA - das Brüder-Paar Zoran und Goran Dragic. Foto: Vid Ponikvar
Es gibt ein Foto, das euch beide mit einem Phoenix-Trikot zeigt und dem Namen Dragic auf dem Rücken. Das muss ein besonderer Moment in eurer Karriere gewesen sein?
Das war es auch. Vor allem, weil dieses Foto beweist, dass ich es geschafft habe – dass ich mir meinen Traum von der NBA erfüllt habe. Wenn dir das im selben Team mit deinem Bruder gelingt, ist das wie gesagt unglaublich. 

Deine größten Erfolge hast du aber in Europa oder mit der Nationalmannschaft gefeiert. Liegt dir der europäische Basketball mehr als der NBA-Style?
Ja und nein – ich bin froh, dass ich beide Arten kennengelernt habe. In der NBA hast du so viele Spiele, dass nicht jedes einzelne wichtig ist. Wenn du in einer regulären NBA-Saison 15 Spiele verlierst, ist das nicht schlimm. Wenn dir das in der EuroLeague passiert, hast du ein großes Problem. In der NBA machen die Organisationen alles für dich, das hat schon was – auch das schnelle Run-and-Gun-Spiel ist spannend. Aber wahrscheinlich hast du recht, den teamorientierten, smarteren – manche sagen „richtigen“ Basketball – siehst du in Europa. Und das liegt mir am Ende vielleicht doch ein bisschen mehr.  

Als 30-Jähriger hast du über 100 EuroLeague-Spiele auf dem Buckel und hast für Slowenien drei Mal bei der EM und einmal bei der WM gespielt. Den Begriff „Veteran“ magst du trotzdem nicht. Warum?
Nein, den Ausdruck mag ich nicht. Sobald du 30 Jahre alt bist, nennen dich die Leute so. Aber ich fühle mich noch zu jung für einen „Veteran“ – mir ging das ganze einfach zu schnell. Aber wenn es darum geht, den Jungen im Team zu helfen, dann nehme ich die Rolle gerne an. Wenn du jung bist, hörst du auf jeden Ratschlag – deshalb denke ich, ist Jaka Lakovic für unsere jungen Spieler sehr wichtig. Er hat elf Jahre in der EuroLegaue gespielt, er weiß, worauf es ankommt.  

„Wenn ich spiele, dann immer mit 100 Prozent.“

Kannst du mit dem, was viele deiner jüngeren Teammitglieder in ihrer Freizeit tun, etwas anfangen? Oder bist du abseits des Parketts eher Old School?
Meine Prioritäten haben sich da schon etwas verschoben. Ich habe eine Familie, um die will ich mich kümmern und mit der bin ich in meiner freien Zeit am liebsten zuhause. Ich bin noch nicht lange in Ulm, aber ich weiß jetzt schon, dass es hier in der Gegend ein Legoland gibt. Was meine Freizeit angeht, mache ich also doch eher die Veteranen-Sachen.  

Du hast mit dem wahrscheinlich besten Teenie-Star im europäischen Basketball zusammengespielt: Was mach Luka Doncic so außergewöhnlich?
Ich habe schon so viele Interviews über ihn oder wegen ihm gegeben. Der Typ ist einzigartig, eine Art von Spieler, wie es sie nur alle hundert Jahre gibt. Wenn er spielt, sieht es nie so aus, als ob er sich anstrengt. Er hat einfach so ein unglaubliches Gespür für das Spiel – das kannst du nicht lernen. Ich glaube, er ist eines der größten Talente nach Drazen Petrovic. Ich persönlich habe noch nie mit einem talentierteren Spieler als Luka gespielt. 
Zoran Dragic und Jaka Lakovic bei der EM 2013. Foto: Vid Ponikvar
Per Günther sagt, den Zoran bringt nichts aus der Ruhe. Der hat schon so viel erlebt, der spielt nicht, weil er sich beweisen muss, sondern aus Leidenschaft. Hat er recht?
Mit der Leidenschaft hat er auf jeden Fall recht. Ich bin eigentlich ein ruhiger Typ, aber wenn ich spiele, dann immer mit 100 Prozent. Manchmal sieht es so aus, als ob mich Fehler nicht stören würden, aber das stimmt nicht. Fehler, die im Spiel passieren, machen mich wahnsinnig.

Als Basketballer gibt es viele Fotos von dir, auf denen du brüllst und ziemlich wild aussiehst. Denkst du manchmal: Was macht der Typ da?
Ich mache das nicht mit Absicht. Mir geht es nicht darum, der „Bad Guy“ zu sein. So bin ich eben. Wenn ich nicht mit vollem Einsatz dabei bin, bin ich nicht ich und bin ich nicht gut. Aber ja, wenn ein Spiel vorbei ist, denke ich mir schon ab und zu, dass ich den Schiedsrichter vielleicht nicht unbedingt so hätte anschreien müssen. 

Welcher Leidenschaften gehst du nach, wenn du nicht auf dem Parkett stehst?
Ich liebe es, Tischtennis zu spielen – am liebsten mit meinem Bruder. Außerdem bin ich ein großer Fußballfan. Die Bundesliga, die Champions League – ich schaue mir sehr viele Fußballspiele an. Meine erste Sportart war ja auch Fußball – und wer weiß, vielleicht wäre ja auch ein ordendlicher Kicker aus mir geworden. 
Zoran Dragic in Action - hier im Trainingslager in Slowenien. Foto: Peter Podobnik / Sportida
Deine Familie besteht aus deiner Frau, zwei Kindern und einem Hund. Wie wichtig ist dir der private Rückzugsort?
Meine Familie ist mein Ding. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal so werden würde wie mein Vater, dem die Familie auch immer sehr wichtig war. Aber seit ich meine eigenen Kinder habe, geht es bei uns einfach hauptsächlich um die Familie. Besonders als Leistungssportler, der sehr viel unterwegs ist, ist dir die Familie eben sehr wichtig. 

Wer führt den Hund am häufigsten aus?
 Wir haben einen elf Jahre alten Shih Tzu – er ist ziemlich klein, nicht viel größer als eine Katze. Er heißt Toro. Meistens kümmert sich meine Frau um den Hund, aber ich gehe schon auch oft raus mit ihm. Toro ist für uns wie ein drittes Kind. Wobei ich manchmal das Gefühl habe, meine Frau mag den Hund mehr als mich.

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