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Off-Season-Talk

Sportdirektor Thorsten Leibenath gibt im Interview exklusive Einblick hinter die Kulissen. Wie läuft die Kaderplanung ab, welche Anforderungen werden beim Scouting gestellt und was gibt es im Sommer an interessanten Events am OrangeCampus.

Unmittelbar nach einer Spielzeit beginnt bereits die große Planung für die neue Saison. Wie verläuft die Kaderzusammenstellung für die neue Saison und wie ist dabei die Kommunikation mit dem neuen Trainer Ty Harrelson, bis er hier in Ulm erwartet wird?

„Bei uns beginnt die Kaderzusammenstellung nicht erst mit Ablauf der alten Saison, sondern ein Teil unserer Aufgabe ist es bereits während der Spielzeit die Fühler auszustrecken und uns Gedanken zu machen, welcher Spieler für eine Weiterverpflichtung infrage kommt. Das Ganze wird in der Offseason verdichtet – es herrscht dann natürlich mehr Kommunikation mit den Spielern, Agenten und mit unserem neuen Head Coach Ty Harrelson. Wir sprechen momentan täglich miteinander und er wird auch bereits am morgigen Mittwoch hier in Ulm erwartet. Ab dann bin ich nicht nur telefonisch mit ihm verbunden, sondern kann mit ihm persönlich über den zukünftigen Kader sprechen. Derzeit haben wir mehrere Baustellen: Zum einen schauen wir, welche Spieler sich für eine Vertragsverlängerung anbieten und zum anderen welche wir neu rekrutieren können. Gleichzeitig muss geprüft werden, das ist vor allem die Aufgabe von Ty, was das passende taktische Korsett für diese Spieler sein wird."

Wie kann man sich die ersten Tage der Zusammenarbeit mit dem neuen Trainer vorstellen, welche Themen sind wichtig in den ersten Wochen? 

„Es ist essenziell, dass wir die Denk- und Sichtweise des jeweils anderen kennenlernen und müssen ein Verständnis entwickeln wie der andere tickt, um im besseren Maße auf Wünsche und Bedürfnisse eingehen zu können. Also ich muss ein Verständnis dafür bekommen, was Ty bei Basketballspielern wichtig ist. Dabei geht es nicht nur um die reinen sportlichen Fähigkeiten, sondern beispielsweise auch um die mentale Konstitution. Sprich, umso besser ich ihn verstehe, wie er basketballtechnisch denkt, desto leichter wird es mir fallen, passende Spieler für sein System zu finden. Aber im Umkehrschluss muss er auch lernen, wie ich aber vor allem wie wir als Organisation denken, um für die Identität unseres Klubs ein passendes Basketballkonstrukt zu entwickeln. Das heißt, wir lernen uns kennen - natürlich haben wir viele von diesen Aufgaben im Vorfeld schon erledigt. Dieser Kennlernprozess wird jedoch mit seiner Ankunft noch intensiver. Dann tauschen wir uns viel aus, machen uns Gedanken und teilen Meinungen zu Spieler. Wir diskutieren beispielsweise darüber, ob jemand als Weiterverpflichtung Sinn macht, oder müssen wir auf dieser Position einen neuen Impuls setzen. Das sind die alltäglichen Gespräche. Er wird auch die Zusammenarbeit mit Co-Trainer Ty McCoy und den anderen Coaches aufnehmen. Wir stecken also derzeit noch in der Kennlernphase, sind aber auch gleichzeitig schon mitten in der Arbeit, was den Kader für die anstehende Saison angeht."
Thema Neuverpflichtungen: Welches Anforderungsprofil benötigt ein Spieler, um zum Klub zu passen?

„Es gibt nicht das eine Anforderungsprofil für einen Spieler bei uns. Wir stellen viele verschiedene Anforderungsprofile auf. Dabei gibt es mehrere Kategorien: deutscher Spieler, deutscher Jugendspieler, internationaler Spieler und internationaler Nachwuchsspieler.  In diesen Kategorien gibt es entsprechende Anforderungen. Paar Details sind nicht verhandelbar, sondern sind für uns verpflichtend. Dabei gehts es, um das Interesse und Bereitschaft des Spielers sich weiterentwickeln zu wollen. Wenn hier jemand herkommt, der von sich behauptet, er sei gut genug und er wird das abrufen, was gefordert wird.  Jedoch nicht den Willen besitzt sich zu verbessern, dann passt er nicht zu uns. Es muss ein Spieler sein, der den Hunger nach Verbesserung und Entwicklung in sich hat, da das ein entscheidender Faktor unserer DNA ist. Auf der anderen Seite gibt es noch Dinge, die verhandelbar sind: Bei manchen Spielern fordern wir ein Maß an Erfahrung auf einem gewissen Niveau und bei anderen ist es uns nicht wichtig. Sprich bei den nicht verhandelbaren Eigenschaften geht es vielmehr um Sachen, die nicht direkt mit Basketballskills zu tun haben. Wenn wir allerdings über Basketballskills sprechen, suchen wir in der Regel nach einem Alleinstellungsmerkmal – was macht den Spieler so besonders bzw. muss er irgendetwas Spezielles in seinem Repertoire haben, damit wir uns angesprochen fühlen."

Für das Scouting von potenziellen Neuverpflichtungen ist die NBA Summer League eine wichtige Anlaufstelle, du bist auch wieder vor Ort. Wie sieht ein typischer Tag dort für dich aus und wie kann man sich so eine Kontaktaufnahme bis zur möglichen Vertragsunterzeichnung vorstellen?

„Nicht nur ich werde dort sein, sondern auch Dr. Thomas Stoll und Ty Harrelson. Vieles ist bereits im Vorfeld passiert, d.h. wir gehen alle Roster der 30 NBA-Teams durch und schauen, welche Spieler für uns von Interesse sein könnten. Mit deren Agenten nehmen wir dann Kontakt auf und daraus erstellen wir eine “Short-List” von Akteuren, die wir enger beobachten. Von mittags 12 Uhr bis abends 22 Uhr sind dort dann Basketballspiele, dementsprechend konsumieren wir in diesem Zeitraum eine Menge Basketball. Im Laufe der Woche tauchen immer wieder mal Spieler auf, die davor nicht auf unserem Radar waren. Diese erhielten meist wenig Einsatzzeiten und können sich aufgrund der geringen NBA-Chance einen Wechsel nach Europa durchaus vorstellen könnten. D.h. wir müssen flexibel sein, müssen mit Agenten networken und mit anderen Verantwortlichen sprechen, um uns eine zweite oder sogar dritte Meinung einzuholen. Zudem nutzen wir die Möglichkeit, mit den Spielern selbst zu reden, um uns einen eigenen Eindruck zu bilden. Es ist von Vorteil vor Ort zu sein und dort persönlich mit ihnen zu sprechen, anstatt per Videocall. Diese Möglichkeiten bieten sich dort in besonderem Maße. Dann hoffen wir, die für uns wirklich Spannenden zu finden und letztendlich von uns zu überzeugen.” 
Der Spanier legte in der gesamten Saison 9,4 Punkte und 4,7 Assists auf. Foto: Langer
Ende Juni findet der 78. NBA-Draft statt, dort sind wir mit zwei Spielern unseres aktuellen Kaders vertreten? Welche Bedeutung hat dies für uns als Klub und wie bewertest du diese Entscheidung?

„Stand jetzt hat das keine größere Bedeutung. Es kann jedoch eine Bedeutung erhalten, wenn Spieler von uns gedraftet und vor allem, dies ist nicht zu unterschätzen, verpflichtet werden. Denn ein gedrafteter Spieler bleibt trotzdem weiterhin bei uns. Erst wenn er einen Vertrag mit einem NBA-Team unterschreibt, ändert es etwas. Derzeit stehen sowohl Pacôme Dadiet als auch Juan Nunez bei uns unter Vertrag, besitzen jedoch Ausstiegsoptionen, die im Fall eines erfolgreichen Drafts und der anschließenden Verpflichtung zum Tragen kommen. Aber falls ein Spieler oder auch beide "nur" gedraftet werden, ist es trotzdem eine Art Bestätigung unserer Arbeit. Es drückt den Stellenwert aus, den wir uns im europäischen Basketball erarbeitet haben, wenn es darum geht, junge Talente weiterzuentwickeln. Aktuell gibt es noch ein weiteres europäisches Team, was zwei Spieler realistisch gedraftet bekommt und das ist stückweit ein Beweis für unseren eingeschlagenen Weg. Für unseren Kader würde es tatsächlich erst dann eine Rolle spielen, wenn Spieler unter Vertrag genommen werden, nachdem sie gedraftet wurden."

Im Sommer halten sich viele Spieler am OrangeCampus fit. Was gibt es an speziellen Workouts oder Events? 

„Wir haben mit Jimmy Rhodes, einen der engagiertesten und interessantesten Player Develepoment Coaches in unseren Reihen. Wir sind der Meinung, was er zu leisten imstande ist, nicht nur unseren eigenen Spielern zugutekommen soll, sondern jedem, der ambitioniert Basketball spielen möchte. Sodass wir Workouts im kompletten Juli anbieten, bei denen man sich anmelden und in den Genuss seines Trainings kommen kann. Das wird gerne angenommen, da viele wissen, dass er mit seinen Fähigkeiten Spieler auf das nächste Level hebt. Dies macht er, vor allem für die Bundesligaspieler aber auch für den Nachwuchs, während der Saison für uns."
Der Franzose war mit knapp 16 Minuten pro Partie ein fester und wichtiger Bestandteil der Rotation. Foto: Viktor Meshko
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