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Samstag, 27. Januar 2018

Ein Triumph des Willens

ratiopharm ulm trotzt dem Verletzungspech und ringt mit nur acht Spielern Sience City Jena mit 87:72 (38:39) nieder.

Shortcut So überschaubar war die Gruppe an Spielern, die nach dem 87:72-Sieg auf die obligatorische „Humba“ wartete, noch nie in dieser Saison. Sieben Uuulmer sahen gebannt zu, wie Ismet Akpinar – der achte Ulmer, der das Spiel beendete – seiner Rolle als „Vorsager“ am Megaphon nachkam. Dem Jubel der 6.200 Fans in der wieder einmal ausverkauften ratiopharm arena tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil. Denn der elfte Saisonerfolg war ein Sieg des Willens, den ein dezimiertes Ulmer Team, das auf Jerrelle Benimon und Luke Harangody (beide Sprunggelenk) sowie die OrangeAcademy-Spieler (siehe Good to know) verzichten musste, im dritten Viertel (36:15) klar machte. In diesen zehn Minuten – den punktereichsten in dieser Saison – dominierten die Uuulmer den Tabellenzwölften obwohl sie auch noch auf ihren Kapitän verzichten mussten. Denn Per Günther, der sich im zweiten Durchgang am Oberschenkel verletzt hatte, war in der zweiten Halbzeit zum Zuschauen verdammt. Wenngleich Thorsten Leibenath „unsere Verteidigung nicht immer prickelnd“ fand, sah der Ulmer Head Coach im schnellen Transition-Spiel seiner Mannschaft einen Schlüssel zum Erfolg. „Wir haben uns acht Steals erarbeitet und daraus 21 Schnellangriff-Punkte generiert, so viele wie noch in keinem anderen Spiel.“ Durch die Revanche an Jena, bei der auch der direkte Vergleich gesichert wurde, liegen die Thüringer nun vier Spiele hinter ratiopharm ulm. Ein Verdienst, den sich die „wackeren Acht“ hoch anrechnen lassen können.
Keystats 21 Schnellangriff-Punkte bei nur sechs Ballverlusten und das gegen „eine der besten Verteidigungsmannschaften der Liga“ (Leibenath) – der Schlüssel zum Sieg über Jena lag im „Transition Game“. 8 Steals (Ohlbrecht und Akpinar je 2) waren der Motor der aufmerksamen Ulmer Verteidigung.  Dass ratiopharm ulm mit 22 gezogenen Fouls neun Mal häufiger an der Freiwurflinie stand, motivierte Gäste Coach Harmsen zu seiner Schiedsrichterschelte, war aber letztlich ein probates Mittel gegen die harte Verteidigung der Thüringer. 
Ryan Thompson gelang mit 24 Punkten ein neuer persönlicher Punkterekord.
Spotlight „Manchmal braucht es nur einen Wurf, damit der Funke überspringt”, weiß Coach Leibenath, wie schnell die Stimmung in der ratiopharm arena explodieren kann. Für diesen Funken war im dritten Viertel Ismet Akpinar zuständig: Drei Dreier schickte der Nationalspieler durch die Reuse und gab damit den Einheizer für die Zuschauer, aber auch für sein Team. Die insgesamt fünf Dreier bedeuten für „Izi“ genauso eine neue BBL-Bestmarke wie für Topscorer Ryan Thompson (24 Punkte), der seinem Ulmer BBL-Punkterekord 4 Rebounds und 3 Assists beistellte und mit +22 über das beste Plus-Minus-Verhältnis verfügte.
Ismet Akpinar brüllt sine Freude heraus.
Play-by-Play

1. Viertel (15:19): Zwar hatte Ismet Akpinar die Partie für ratiopharm ulm per Dreier eröffnet, doch die Anfangsminuten gehörten dennoch den Thüringern bzw. Derrick Allen: Der 37-jährige Routinier erzielte die ersten 6 Zähler für die Gäste (5:6, 3.), woran Big Man-Kollege Max Ugrai mit 5 Punkten nahtlos anschloss (7:11, 4.). Wenngleich Per Günther aus der Distanz konterte (10:11, 6.), war die Ulmer Trefferquote mit nur 29 Prozent (5/17) bescheiden; zweite Wurfchancen vereitelte Jena meist mit mehr Energie beim Rebounding (7/11). Dagegen glänzte Kyle Weaver in den Schlussminuten mit seiner Treffsicherheit (3/4) aus der Mitteldistanz und sicherte Jena den 15:19-Vorsprung nach 10 Minuten.

2. Viertel (23:20): In Tim Ohlbrecht und Isaac Fotu hatte ratiopharm ulm dann seine zwei Big Men, die durch ihre gelungenen Aktionen für Stimmung auf den Rängen und den 19:22-Anschluss (12.) sorgten. Doch wieder war es Allen, der mit seinen Punkten 6 bis 12 binnen zwei Minuten die Spaßbremse in der erhitzten ratiopharm arena gab und Jena wieder auf 22:28 wegbrachte (14.). Und lange hatte ratiopharm ulm an diesem Rückstand zu kämpfen, auch weil es fünf seiner zehn Freiwürfe in diesem Viertel liegen ließ. Dennoch robbten sich die Gastgeber Stück für Stück an Science City heran und eroberten per 7:0-Lauf die Führung (37:35, 20.). Dass Ulm mit dieser nicht in die große Pause gehen konnte, lag an Kyle Weaver, der Akpinar den Ball abluchste und damit die Grundlage für den 38:39-Halbzeitstand legte.

3. Viertel (36:15): Die ersten vier Spielminuten kannten nur zwei Namen: Akpinar und Ugrai. Während der A2-Nationalspieler seinem Konto weitere 6 Zähler hinzufügte (22 gesamt), lief „Izi“ im Angriff so richtig heiß: Die ersten 12 Ulmer Punkte gingen auf das Konto des Deutschen, der damit die 50:45-Führung (14.) besorgte. Und Akpinar, der den zur Halbzeit verletzt ausgeschiedenen Per Günther ersetzte, wurde zum emotionalen Funken für ein Ulmer Feuerwerk: Nach Ugrais 52:49-Anschluss legte ratiopharm ulm, eingeleitet durch gelungene Defensivaktionen, einen 16:2-Lauf aufs Parkett, bei dem die Hauptakteure Ryan Thompson (7 Punkte) und Da’Sean Butler (8) die ratiopharm arena zur Ekstase brachten. Als ein frustrierter Björn Harmsen kurz vor Viertelende noch ein „T“ hinnehmen musste, zogen die Ulmer zur Pause erstmals auf 20 Punkte weg (74:54) und hatten mit 36 Zählern gerade einmal zwei weniger als in der ersten Hälfte erzielt.

4. Viertel (13:18): Nach der offensiven Glanzleistung im dritten Viertel flachte die Partie nun etwas ab. Während Jena wieder durch Allen zu Punkten kam, hatten es die Ulmer Ryan Thompson zu verdanken, dass der Vorsprung im komfortablen Bereich blieb: Durch seinen dritten und vierten Dreier (4/7) sorgte der Topscorer für die Vorentscheidung (82:62, 37.), woraufhin der ebenso von Downtown heiß gelaufene  Akpinar seinen fünften Dreier (5/9) zum 85:63 einnetzte. Als Joschka Ferner wenig später die finalen Punkte der Gastgeber zum 87:65 (39.) erzielte, hatte sich dann auch der letzte der neun tapferen Uuulmer auf dem Scoreboard verewigt.
Luka Babic feierte nach achtmonatiger Verletzungspause sein Heimdebüt.
Quotes
Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Wir haben die richtigen Schlüsse aus dem ersten Viertel gezogen, wo wir viel zu passiv agiert haben und konnten im zweiten Viertel die Intensität deutlich erhöhen, was sich im dritten Viertel auf beeindruckende Weise fortgesetzt hat. Gegen eine der besten Defensivmannschaften haben wir uns nur sechs Ballverluste erlaubt. Unsere Verteidigung war nicht immer prickelnd, aber wir haben uns acht Steals erarbeitet und daraus 21 Schnellangriff-Punkte generiert, so viele wie noch in keinem anderen Spiel. Björn ist für mich eine der besten Taktiker der Liga und da sieht man als Gegner manchmal alt aus. Gerade die Offensivrebounds haben dann sehr geholfen.“

Björn Harmsen (Head Coach Science City Jena): „Im dritten Viertel haben wir in der Defensive nicht gut gearbeitet. Ulm hat sehr gut attackiert und die Ulmer Offensivrebounds haben uns sehr wehgetan. Julius Jenkins hat uns zudem sehr gefehlt. Zudem muss ich sagen, dass die Art und Weise, wie die Schiedsrichter das Spiel heute gehandhabt haben, nicht fair war. Die Schiedsrichter haben es hinten raus noch korrigiert, aber die Linie hat heute gefehlt.“

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Good to know Normalerweise kann Thorsten Leibenath immer auf den Ulmer Nachwuchs zählen, der auf der Bank für jede Einwechslung parat sitzt. Doch gegen Jena war der Kader auf neun bzw. zur Halbzeit (ohne Per Günther) auf acht einsatzfähige Kräfte geschrumpft und Joschka Ferner einziger Vertreter der OrangeAcademy. Die kämpfte zugleich in Paderborn um wichtige Punkte gegen den Abstieg. Doch der Einsatz wurde nicht belohnt: Die OrangeAcademy verlor denkbar knapp mit 89:84.

Fotos Florian Achberger, Alexander Fischer
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