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Samstag, 03. Februar 2018

Mit Blitzstart den Personalsorgen getrotzt

ratiopharm ulm gelingt trotz eines größer werdenden Lazaretts ein 84:94 (47:53)-Sieg in Göttingen und bleibt damit ungeschlagen seit dem Allstar-Wochenende.

Shortcut ratiopharm ulm gewinnt zum dritten Mal in Folge in Göttingen und sein drittes Spiel nach dem Allstar-Break. Der Ulmer 84:94 (47:53)-Sieg bei den „Veilchen“ war dabei umso beeindruckender, da die Gäste personell stark gehandicapt in der Sparkassen-Arena antraten. Ohne die verletzten Luke Harangody, Jerrelle Benimon und Trey Lewis (im Training umgeknickt) und in der zweiten Hälfte auch ohne Per Günther konnte sich das Leibenath-Team vor allem auf zweierlei verlassen: Ein 34-Punkte-Start in den ersten zehn Minuten – das zweitbeste Ulmer Viertel der Saison – und eine 58-prozentige Dreier-Quote. „Wir wissen: Wenn wir mit viel Energie starten, haben wir eine gute Siegchance“, analysierte Joschka Ferner, der mit einer perfekten Bilanz von „downtown“ (4/4) und einem Career-High (14 Zähler) mehr als nur in die Bresche sprang für die verletzten Teamkollegen. „Das war einer unserer wichtigsten Siege diese Saison, wenn nicht sogar der wichtigste. Wir haben es trotz der angespannten Personalsituation geschafft, mit einer tiefen Rotation eine gute Leistung zu zeigen“, so ein zufriedener Thorsten Leibenath, der in der Schlussminute allerdings zusätzlich noch den Ausfall von Luka Babic zu beklagen hatte.
Key-Stats Wenn die ersten 9 Würfe (inklusive Freiwürfe) allesamt sitzen und nach vier Minuten ein 4:19 auf der Anzeigetafel steht, ist das Fundament für einen Auswärtssieg gelegt. War es im ersten Viertel vor allem eine perfekte Zwei-Punkte-Ausbeute (6/6), machte im weiteren Spielverlauf die Dreier-Bilanz den Unterschied: Während Göttingen nur 7 von 24 Distanzwürfen im Korb unterbrachte, markierte Ulm insgesamt 21 Zähler mehr von „behind the arc“.

Spotlight Hatte im ersten Viertel Isaac Fotu die Göttinger Big Men dominiert (13 Punkte / insgesamt 24), war für die Big Plays im Schlussabschnitt Ismet Akpinar zuständig: Drei seiner fünf Dreier traf der Nationalspieler – der in Abwesenheit von Per Günther mehr Minuten (28:20) und Verantwortung schulterte – im letzten Viertel und beendete die Partie mit einem Season High von 20 Zählern. Gar für einen Karrierebestwert reichte es derweil bei Joschka Ferner (14, 5/6 Feldwürfe).
Topscorer und Initiator des Ulmer Blitzstarts: Isaac Fotu. Foto: Reinhard.
Play-by-Play

1. Viertel (22:34): Mit zwei selbstbewussten Drives bestätigte Ryan Thompson seine starke Form (0:4) – und leitete einen Traumstart ein: Basierend auf einer soliden Defensive kam Ulm immer wieder ins Laufen und lag nach zwei Fotu-Treffern mit 0:11 in Front (2. Minute). Bezeichnend für die Anfangsoffensive: Es dauerte knapp 4 Minuten und bis zum 4:19, ehe Fotu und Co. nach 12 Treffern den ersten Wurf danebensetzten. Erst dann kam auch Göttingen allmählich ins Spiel: Der umtriebige Michael Stockton fand mehrmals den Weg in die Zone und brachte die „Veilchen“ mit 7 schnellen Zählern auf 15:27 heran (8.). Doch der Ulmer Offensivfluss riss trotzdem nicht ab: Nach 5 Center-Punkten durch Ohlbrecht und den glänzend aufgelegten Fotu endeten die ersten 10 Minuten mit 22:34.

2. Viertel (25:19): Und Ulm ließ nicht nach: Drei Distanztreffer in Folge hoben den Vorsprung wieder auf plus 16 an (27:43, 12.). Dennoch kam Göttingen nun konstant zu Punkten. Harper Kamp wühlte sich am Korb zu 5 Zählern und brachte den Göttinger Rückstand wieder in den einstelligen Bereich (35:43, 15.). Just, als nach zwei BG-Dreiern die Stimmung in der  Sparkassen-Arena am Zenit war, trat erstmals Joschka Ferner auf den Plan – und konterte den „Veilchen“-Lauf eiskalt mit zwei Distanztreffern (43:53, 17.). Doch Göttingen hatte nun Lunte gerochen und zog auch defensiv die Zügel an: Während Ulm in zwei der letzten drei Angriffe an der 24-Sekunden-Uhr scheiterte, robbte sich Göttingen bis zum Pausentee auf 47:53 heran.

3. Viertel (15:19): Nach zwei weiteren Minuten ohne Korb war es Ismet Akpinar, der die Ulmer Dürreperiode und einen Göttinger 4:0-Start in die zweite Hälfte beendete (51:56, 22.). Dennoch war der Offensivdrang aus dem ersten Durchgang nun dahin und das Spiel zunehmend umkämpfter – was Luka Babic auf der einen und Jordan Loveridge auf der anderen Seite mit Putbacks bewiesen. Ein Steal ermöglichte Ulm dann seltene einfache Zähler per Fastbreak-Slam von David Krämer, und als Ferner kurz darauf seinen dritten Dreier versenkte, war der Vorsprung wieder kommod (55:66, 28.). Und die Ulmer Youngsters machten nun den Unterschied: Erneut Ferner und Krämer sorgten für eine 62:72-Führung vor dem 4. Viertel.

4. Viertel (22:22): Und besonders Ferner blieb heiß – und eröffnete den Schlussabschnitt mit dem 11. Team-Dreier (65:75, 32.). Und der Distanzwurf blieb die Ulmer Hauptschlagwaffe: In einer Phase, in der Göttingen offensiv keinen Rhythmus fand, erhöhte Ismet Akpinar auf 67:82 (36.). Doch nun taute einer auf, der bis dato unscheinbar geblieben war: Mit zwei Freiwürfen und seinem ersten Distanztreffer verkürzte Ex-Ulmer Brion Rush auf 74:82 (37.). Doch auf die beiden Ulmer Schlüsselfaktoren an diesem Abend blieb Verlass: Erst überquerte Isaac Fotu mit einem And One sein persönliches 20-Punkte-Plateau, dann versenkte Akpinar Ulms Triple Nummer 13. Einziger Wermutstropfen: Luka Babic musste eine Minute vor Schluss vorzeitig vom Feld, nachdem er sich bei einem Drive zum Korb am Fuß verletzt hatte.

Ismet Akpinar im Duell mit dem Ex-Ulmer Brion Rush. Foto: Reinhard.
Quotes
Thorsten Leibenath (Headcoach ratiopharm ulm): „Das war einer unserer wichtigsten Siege diese Saison, wenn nicht sogar der wichtigste. Wir haben es trotz der angespannten Personalsituation geschafft, mit einer tiefen Rotation eine gute Leistung zu zeigen. Die Art und Weise wie wir gewonnen haben, nötigt mir großen Respekt ab. Wir sind sehr gut gestartet und haben Göttingen auf dem falschen Fuß erwischt. Johan Roijakkers hat die richtigen Stellschrauben gedreht, sodass sein Team dann wie ausgewechselt gespielt hat. Vor allem das hohe Tempo von Michael Stockton hat uns überrascht. Wir mussten uns daran gewöhnen, was den Rest der ersten Halbzeit gebraucht hat. In der zweiten Halbzeit haben wir dann wieder besser verteidigt. Es war nicht alles perfekt, aber Göttingen ist eine starke Mannschaft, und ich habe allergrößten Respekt vor Johans Arbeit. Ich wünsche ihnen alles Gute und freue mich schon wieder auf die Duelle in der kommenden Saison.“

Johan Roijakkers (Headcoach BG Göttingen): „Es war ein schön anzusehendes, schnelles Spiel. Wir haben gut verteidigt – nur in den ersten vier Minuten waren wir nicht bereit. Ich bin glücklich darüber, wie wir uns zurückgekämpft haben und im Spiel geblieben sind. Es macht Spaß mit diesen Spielern zu arbeiten. Wir fokussieren uns auf die positiven Dinge.“
Auch Tim Ohlbrecht konnte die Ulmer Rebound-Unterlegenheit (31:36) nicht verhindern. Foto: Reinhard.
Good to know Wer das nächste Ulmer Heimspiel (Sa., 18 Uhr, vs. Gießen – Tickets hier) nicht mehr abwarten kann, wird bereits am Sonntag mit einem Regionalklassiker bedient: Beim Derby in Ehingen geht es für die OrangeAcademy nicht nur um die Ehre, sondern auch um wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt in der Zweiten Liga. Tickets für das Spiel, das ab 17.30 Uhr in der JVG-Halle in Ehingen steigt, sind hier erhältlich.

Fotos: Reinhard.
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