Shortcut Die Erleichterung war Per Günther ins Gesicht geschrieben. Nach einem nervenaufreibenden Schlussviertel, in dem seine Mannschaft einen 12-Punkte-Rückstand aufgeholt hatte und die Partie erst mit dem letzten Wurf von Ryan Thompson gewonnen hatte, sagte der Ulmer Kapitän: „Wir sind wahnsinnig glücklich über diesen Sieg.“ Warum es nach drei Vierteln „in denen Erfurt die bessere Mannschaft war“, dennoch für den 10. Ulmer Saisonerfolg gereicht hatte, erklärt Günther so: „Im Schlussviertel waren wir Sherpas für Ryan, der das Spiel für uns gewonnen hat.“ Thompson, der sein Team in den letzten zehn Minuten geschultert hatte, gelangen 12 seiner 17 Punkte im letzten Durchgang. „Wir sind heute 30 Minuten hinterhergerannt, haben aber die Ruhe bewahrt und die Big Plays gemacht", sagt ein ebenfalls sehr glücklicher Ulmer Head Coach Thorsten Leibenath.
Keystats Wenngleich ratiopharm ulm mit einer Freiwurfquote von 68,8 Prozent deutlich unter dem eigenen Saisonschnitt und auch unter der Quote der Rockets in diesem Spiel (78,6%) lag, war die Nervenstärke der Gäste im Schlussviertel und die Tatsache, dass sie insgesamt doppelt so viele Freiwürfe (22/11) wie die Thüringer trafen, mit spielentscheidend. Der vor dem Spiel ausgemachte Ulmer Vorteil unter dem Korb war das letztlich weniger. Bei einer leichten Ulmer Rebound-Überlegenheit (36/30) punkteten die Gäste aus dem Zweier-Bereich in Korbnähe weniger als die Rockets.
Spotlight Das Saisondebüt von Luka Babic, der nach überstandener Knieverletzung und acht Monate nach seinem letzten Spiel für Cedevita Zagreb (19. April 2017) erstmals für ratiopharm ulm auflief und sechs Punkte erzielte, rückte genauso in den Hintergrund, wie Per Günthers erster Dreier nach neun Fehlversuchen aus den vergangenen drei Spielen. Auch Isaac Fotus bärenstarke 25 Zähler waren letztlich nicht spielentscheidend – Ryan Thomson dagegen war das schon. Der wuchtige Forward stellte im Schlussviertel auf Angriffsmodus und erzielte die letzten 4 seiner 12 Punkte, die er im Schlussvierte auflegte, unter extrem schwierigen Bedingungen.
Play-by-Play
1. Viertel (23:20): Nach einem Start nach Maß bzw. genauso, wie ihn sich Head Coach Thorsten Leibenath vorgestellt hatte – nämlich mit einem Dreipunkte-Spiel von Isaac Fotu –, dauerte es fast drei Minuten, ehe erneut Fotu für die Gäste punktete (4:5). In der Zwischenzeit – wie auch im weiteren Verlauf des ersten Viertels – hatten die favorisierten Gäste aufopfernd kämpfende Erfurter zu häufig gewähren lassen. Während bei Ulm die Option Fotu (9 Pkt) am besten funktionierte, war es bei den Rockets der 21-jährige Jan-Niklas Wimberg, der mit 12 Punkten im ersten Viertel nicht zu stoppen war. Auch nicht von Luka Babic, der in der 8. Minute eincheckte und einen seiner zwei Dreier versenkte.
2. Viertel (20:23): Mit welcher Leidenschaft die Thüringer zur Sache gingen, demonstrierte Retin Obasohan bei den ersten Punkten der Rockets im 2. Viertel (26:22). Im Fastbreak entwischte er zunächst David Krämer und drückte dann Jerrelle Benimons wuchtigen Körper zur Seite, um im Anschluss ein Dreipunktspiel von der Linie abzuschließen. Während ratiopharm ulm offensiv keinen Rhythmus fand, war es erneut Obasohan, der die höchste Führung der Gastgeber erzielte (28:23, 14.). Dann schien Per Günther den berühmten „Schalter“ gefunden zu haben: Mit drei strukturiert vorgetragenen Angriffen, die zweimal von Fotu und einmal von Butler abgeschlossen wurden, glich ratiopharm ulm in der 14. Minute zum 30:30 aus. Doch als Günther & Co. die Spielkontrolle fest im Griff zu haben schienen (34:38, 18.), landeten die Rockets einen 7:0-Lauf. Eine Partie, in die sich die Rockets hinein gekämpft hatten und ratiopharm ulm seine spielerische Überlegenheit nur selten ausspielte (2/11 Dreier), ging beim Stand von 43:43 in die große Pause.
3. Viertel (20:10): Das dritte Viertel begann dann perfekt für die Thüringer – nämlich mit einem Dreier von Obst, während ratiopharm ulm drei Versuche von jenseits der 6,75-Meter-Linie vergab (46:43). Erst nach knapp vier Minuten erzielte Fotu die ersten Ulmer Zähler. Während ratiopharm ulm im Hinspiel die Rockets im dritten Viertel bei nur fünf Punkten gehalten hatte, waren es nun die Gastgeber, die Sand ins Ulmer Offensivgetriebe streuten. Im Gegensatz zum Spielbeginn, als der Ball oft unter den Korb gepasst wurde, versuchten es die Gäste nun von außen und verfehlten. Da sich auf der anderen Seite Sava Lesic nach einem schier unmöglichen Buzzer-Beater in einen Rausch spielte – und 7 Punkte im 3. Viertel erzielte – war das Momentum nun eindeutig auf die Seite der Thüringer gekippt, die das Viertel mit einem 11:1-Lauf beendeten und mit einer 63:53-Führung in den Schlussabschnitt gingen.
4. Viertel (16:28): Dann bewiesen die Gäste ihre Nervenstärke. Hatten sie bis zur 33. Minute schon 10 Punkte an der Freiwurfline liegen gelassen, vergaben sie im weiteren Spielverlauf keinen einzigen Freiwurf mehr. Und über den „Charity Stripe“ verlangsamten die Ulmer das Spiel und verkürzten durch den achten Freiwurftreffer in Serie auf 69:62. Wenngleich ratiopharm ulm nun in der Offensive einen Weg gefunden hatte, gelang es nicht, den Rockets in der Verteidigung die Handschellen anzulegen. Erst als Ryan Thompson offensiv heiß lief, hatte Erfurt, das ohne den ausgefoulten Obasohan spielte, keine Antwort mehr. Davor hatten die Rockets „die ein wahnsinnig gutes Spiel gemacht haben“, wie ein glücklicher Per Günther kommentierte, ratiopharm ulm allerdings eine nervenaufreibende Crunchtime abverlangt, in der Daniel Schmid 11 Sekunden vor dem Buzzer zum 79:79 ausglich. Erst ein unwiderstehlicher Drive von Thompson gegen zwei Verteidiger und die heruntertickende Uhr sicherten den glücklichen Ulmer Sieg.
Quotes
Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Wir können sehr froh sein, gewonnen zu haben. Man muss anerkennen, dass Erfurt hervorragend eingestellt war. Die Rockets hätten den Sieg heute genauso verdient gehabt. Basketball ist sehr einfach, nach einiger Zeit findet man die fünf Spieler, mit denen man gewinnen kann. Bis auf zwei Auswechslungen im letzten Viertel habe ich diese Aufstellung gefunden Wir sind heute 30 Minuten hinterhergerannt, haben aber die Ruhe bewahrt und die Big Plays gemacht.“
Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Wir können sehr froh sein, gewonnen zu haben. Man muss anerkennen, dass Erfurt hervorragend eingestellt war. Die Rockets hätten den Sieg heute genauso verdient gehabt. Basketball ist sehr einfach, nach einiger Zeit findet man die fünf Spieler, mit denen man gewinnen kann. Bis auf zwei Auswechslungen im letzten Viertel habe ich diese Aufstellung gefunden Wir sind heute 30 Minuten hinterhergerannt, haben aber die Ruhe bewahrt und die Big Plays gemacht.“
Ivan Pavic (Head Coach Rockets): „Glückwunsch an Thorsten und sein Team zum Sieg. Ich kann heute ohne jeden Zweifel stolz auf mein Team sein. Wir haben hervorragend umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Insgesamt wurden 140 Spielminuten auf junge deutsche Spieler verteilt, das ist einzigartig und verdient Respekt. Es ist schwer zu gewinnen, wenn mit zweierlei Maß gemessen wird. Die Schiedsrichter dürfen sich viele Fehler ankreiden lassen. Es war eine sehr schlechte Schiedsrichterleistung.“
Good to know Der gebürtige Ulmer Dieter Hoeneß hat ratiopharm ulm eine schwere Aufgabe für das easyCredit TOP FOUR Halbfinale beschert. Hoeneß hatte in der Halbzeitpause der spannenden Pokalquali-Partie München gegen Bamberg, die der FCB in der Verlängerung mit 101:97 für sich entschied, die Wiederauflage des Pokalhalbfinals von 2014 aus der Lostrommel gezogen. Im zweiten Halbfinale (Tipoff: 19 Uhr) kommt es am Samstag, den 17. Februar zum Duell zwischen Bayreuth und Berlin. Wochenendtickets für das easyCredit TOP FOUR sind bereits ab 35 Euro hier erhältlich.
Fotos: Rockets
