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So, 12.01.2020

Pokal-Traum platzt gegen Oldenburg

ratiopharm ulm unterliegt im Pokal-Halbfinale vor einer Rekordkulisse und findet dabei kein Mittel, Allstar Rickey Paulding zu stoppen.

  • 6.108 Fans sehen packenden Pokal-Fight.
  • Ulmer Dreierschwäche als ein Faktor für die Niederlage. 
  • Mahalbasic und Paulding nicht zu stoppen. 
Auch eine Rekordkulisse von 6.108 Fans in der komplett ausverkauften ratiopharm arena konnte nicht verhindern, dass ratiopharm ulm im Halbfinale des MagentaSport BBL Pokals gegen die EWE Baskets Oldenburg unterlag. „Ich möchte mich bei unseren fantastischen Fans bedanken, die erneut die ratipharm arena voll gemacht haben und uns wie in jedem Spiel fantastisch unterstützt haben“, so Head Coach Jaka Lakovic, der auf den verletzten Patrick Heckmann verzichten musste und vor allem mit der Dreierquote (36 Prozent) seiner Mannschaft haderte. Als spielentscheidend sah Lakovic vor allem zwei Oldenburger Läufe, mit denen die Gäste Sicherheit und das Momentum der Partie gewannen. Einmal gelang den Norddeutschen im zweiten Viertel ein 15:0-Run, dann blieb Oldenburg auch im Schlussviertel cool, als ratiopharm ulm den Rückstand auf sieben Zähler gedrückt hatte, es aber in vier Angriffen in Folge nicht schaffte, zu Punkten zu kommen. Genau in dieser Phase gelangen Oldenburgs Topscorer Rickey Paulding zwei enorm wichtige Dreier, die das Spiel für ratiopharm ulm außer Reichweite brachten und so vorentschieden. 
Grant Jerrett hatte gegen Rasid Mahilbasic zu oft das Nachsehen. Foto: Florian Achberger
Im Fokus: Die Mischung aus Paulding, der zum wiederholten Mal eine bärenstarke Leistung in Ulm ablieferte (21 Punkte), und Rasid Mahalbasic, der im Low Post entweder selbst abschloss oder mit einem Pass (5 Assists) für eine kluge Spieleröffnung sorgte, war auf Dauer zu viel für die Ulmer Defensive. Während Oldenburg mit 11 Steals immer wieder zu einfachen Punkten kam „und damit in die Köpfe der Ulmer Spieler“ (Drijencic), fanden die Gastgeber ab Mitte des zweiten Viertels defensiv keinen Zugriff mehr auf die Partie. Auch körperlich nicht, wie Lakovic mit Hinweis auf die lediglich 16 Ulmer Fouls bemängelte. „Das ist ein Wert, den du in keinem entscheidenden Spiel sehen willst.“ Dass ratiopharm ulm zwei Dreier mehr als Oldenburg nahm, dafür aber fünf weniger traf, war in einem Duell zweier Teams, „die statistisch auf einem ähnlichen Niveau agieren“ (Drijencic), nicht nur für den Oldenburger Head Coach ein wesentlicher Unterschied. 
Per Günther lieferte in kanpp 20 Minuten 10 Punkte ab. Foto: Marcel Merli
Zeit zum Aufwärmen nahm sich dieses Spiel nicht. Wie in einer Mikrowelle war die Temperatur im Pokal-Halbfinale von der ersten Sekunde an am oberen Anschlag. Nach einem starken Ulmer Start (5:2) waren es die Gäste, die durch Mahalbasic und aus der Distanz (3/5 Dreier) die Spielkontrolle übernahmen (12:19, 9). Erst in der Schlussminute des ersten Viertels schüttelte ratiopharm ulm die hartnäckige Verteidigung Oldenburgs mit einem 5:0-Lauf etwas ab (17:19). Dabei gelang Zoran Dragic ein wichtiger Dreier – sein Oldenburger Widersacher, Rickey Paulding, blieb in den ersten zehn Minuten ohne Punkte. 

Doch wem das erste Viertel in der ausverkauften ratiopharm arena schon laut vorkam, der wurde zu Beginn des zweiten Viertels eines Besseren bzw. Lauteren belehrt: Nach einem unsportlichen Foul an Per Günther erreichte die Lautstäre Düsenjet-Niveau und die Uuulmer legten postwendend einen 7:0-Lauf aufs Parkett (24:19). In dieser Phase war es vor allem die Verteidigung der Gastgeber, die die EWE Baskets nicht ins Spiel kommen ließ und ihnen nach 14 Minuten erst 23 Punkte gestattet hatte. Doch mitten hinein in die vermeintliche Ulmer Drangphase initiierte Braydon Hobbs mit sieben Punkten einen 15:0-Run der Gäste, der das bisher Geschehene auf den Kopf stellte (31:38, 17.). Dann war es wieder der Kapitän, der ein unsportliches Foul provozierte und sein Team von der Freiwurflinie auf 36:38 heranbrachte. Mit einem Dreier schloss Harvey einen Ulmer 8:0-Lauf ab, der die Gastgeber wieder in Führung brachte (39:38). In die Halbzeit ging die hockklassige Partie mit einer Ein-Punkt-Führung der Gäste (44:45), die in einem auch statistisch ausgeglichenen Duell einen kleinen Vorteil in der Ballkontrolle hatten (7/4 Turnovers).  
Derek Willis gelangen 9 Punkte und 6 Rebounds im Pokal-Halbfinale. Foto: Marcel Merli
Dann waren es wieder die Oldenburger, denen ein 9:0-Lauf zur Eröffnung der zweiten Halbzeit gelang (44:54). Fast vier Minuten musste die ratiopharm arena warten, ehe Gavin Schilling von der Freiwurflinie die ersten Ulmer Punkte erzielte. Paulding, der bis dato das Duell mit Dragic für sich entschieden hatte, erzielt dann per Dreier die höchste Führung der Gäste (46:60, 26.). Wenngleich ratiopharm ulm bis zum Viertelende auf 60:67 aufschließen konnte, ging der dritte Durchgang mit 22:16 deutlich an die Gäste. 

Mit vollem Einsatz verkürzte ratiopharm ulm bis zur 34. Minute auf 67:72. Und mit aller Energie, die der Dunk von Grant Jerrett entfacht hatte, stoppten die Gastgeber in der Folge die Oldenburger Angriffe auch mehrfach. Doch nach vier nicht genutzten Ulmer Chancen im Angriff war es Paulding, der zunächst Dragic mit seiner Schulter zu Boden schickte und dann eiskalt einen Dreier versenkte. Und Paulding legte nach: Mit seinem fünften Dreier stellte er auf 65:78 bei noch knapp vier Minuten zu spielen. Während die Gäste, bei denen sich Paulding nur einen einzigen Fehlwurf (5/6) aus der Distanz leistete, eine Dreierquote von 58 Prozent vorweisen konnten, traf ratiopharm ulm nur jeden Dritten Dreier (36 Prozent). Und so war es auch der Distanzwurf, der den Unterschied und den Oldenburger Sieg ausmachte: Während Willis beim Stand von 68:78 einen freien Dreier vergab, sorgte Hobbs im Gegenzug für die Vorentscheidung (68:81). Dass Hayes und Obst die letzten beiden Distanzwürfe ihres Teams versenkten, kam zu spät. 
Karsten Tadda traf zwei von vier Dreiern. Foto: Florian Achberger
O-Ton:
 Jaka Lakovic: „Herzlichen Glückwunsch an Coach Mladen Drijencic und sein Team für ein starkes Spiel und die Final-Qualifikation. Ich möchte mich auch bei unseren fantastischen Fans bedanken, die erneut die ratipharm arena voll gemacht haben und uns wie in jedem Spiel fantastisch unterstützt haben. Unser Plan war es aggressiver und schneller zu spielen als Oldenburg. Aber der Fakt, dass wir nur 16 Fouls begangen haben, zeigt, wie aggressiv wir heute wirklich waren. Das ist etwas, dass in einem Halbfinale nicht sein kann. Für mich waren heute zwei Läufe entscheidend – zuerst ein 0:15-Lauf der Oldenburger im zweiten Viertel und dann, als wir im dritten Viertel die Kontrolle abgegeben haben. Wir haben in der Phase nicht smart gespielt und den Ball zu oft verloren. Oldenburg hat sehr viel Qualität und sie wissen, wie sie das Spiel von diesem Punkt aus kontrollieren konnten. Wir hatten dann noch vier Angriffe, in denen wir entweder unsere Würfe oder die richtige Entscheidung nicht getroffen haben. Wir wollten das Spiel zu schnell drehen. Aber auch das ist Teil unserer Entwicklung und eine gute Lektion für das Team. Wir müssen jetzt weiter an uns arbeiten und fokussiert bleiben.“

Und sonst? Im zweiten Halbfinale zwischen Bamberg und Berlin setzte sich Alba mit 82:66 durch. Das Finale zwischen Berlin und Oldenburg findet am 16. Februar in Berlin statt. Damit hat Oldenburg, der Pokalsieger von 2015, in dieser Pokal-Saison zum vierten Mal ein Auswärtsspiel. Während Oldenburg auswärts den zweiten Pokalerfolg seiner Vereinsgeschichte klar machen kann, kann Alba mit einem Sieg mit Rekordsieger Bayer Leverkusen gleichziehen. Beide Teams hätten dann den Pokal zehn Mal gewonnen.  
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