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Dienstag, 03. Juli 2018

Wie aus der Pistole geschossen!

Katin Reinhardt kam in der abgelaufenen Saison verspätet nach Ulm und brauchte trotzdem nur 12 Spiele, um Club und Fans von sich zu überzeugen. Nach Jahren als Basketball-Nomade war das nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Von DVDs, die eine Kindheit präg

Am 5. Januar 1988 stirbt in Pasadena, Kalifornien, eine Basketball-Legende. Bei einem Freiplatz-Zock unter Freunden erleidet Pete Maravich eine Herz-Attacke und verstirbt noch an Ort und Stelle. Maravich ist zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alt, und es liegt noch keine acht Jahre zurück, dass er einer der besten Basketballer der Vereinigten Staaten war. Der Mann, der die NBA 1977 bei den Punkten anführte, war seiner Zeit voraus; ein früher Steph Curry, der auf dem Bierdeckel Dribble-Tiraden vollführte, irrwitzige No-Look-Pässe spielte und aus dem Fastbreak heraus Distanzwürfe versenkte. Weil er aus jedem erdenklichen Winkel abzog und traf, nannten sie ihn „Pistol Pete“. Einmal, im Februar 1977, lief die Pistole so heiß, dass sie den New York Knicks 68 Punkte einschenkte – und das ganz ohne Dreier, denn der kam erst zweieinhalb Jahre später in der NBA an.

15 Jahre nach Maravichs Tod sitzt in Laguna Beach – keine Autostunde südlich von Pasadena – ein Junge vor dem Fernseher und studiert dessen größte Momente. Es sind dieselben fünf, sechs DVDs, die Katin Reinhardt immer wieder anschaut, stundenlang, „denn mehr Material gab es von Maravich damals nicht“, erinnert er sich. Danach geht er raus in die Einfahrt seines Elternhauses, wo Reinhardt das Gesehene nachspielt. Die schnellen Crossover, die ansatzlosen Jumper, die Pässe aus dem Handgelenk – manchmal bis Anbruch der Nacht. Reinhardt saugt alles auf und wiederholt, was Pete zur „Pistol“ machte – und wird so im Laufe der Zeit zu seinem ganz eigenen Pistolen-Helden. „Mit Maravich begann meine Liebe zum Basketball“, sagt Katin. „Er hat mich geprägt wie kaum ein anderer.“ Eine Geschichte über einen furchtlosen Schützen, aber auch über Schnellschüsse und den „Segen“ manch schlechter Entscheidung.
Reinhardts Premiere für Ulm – gegen Bamberg er legte aus dem Stand 12 Punkte auf.

Lass niemals nach, denn das unterscheidet die Erfolgreichen von den weniger Erfolgreichen.

Wer mit Katin Reinhardt über seine Karriere spricht, bekommt ein Wort immer wieder zu hören: „competitiveness“. Dieser Begriff – dessen deutsche Übersetzung „Wettbewerbsfähigkeit“ den Bedeutungsgehalt nur unzureichend umfasst – wird in Reinhardts Leben früh zu einer Leitvokabel. Sie kennzeichnet seine Prägung durch eine sportverrückte Familie, die viele Sonntage zusammen auf dem Court im Hinterhof verbrachte, wo Papa, Onkel und Großvater Reinhardt gegen den Nachwuchs antraten. Sie kennzeichnet viele „harte Duelle und schmerzhafte Niederlagen“ (Reinhardt), aber auch die Attitüde des Nie-Aufgebens. Wenn Katin nach einem schlechten Spiel lieber mit seinen Kumpels an den Strand ziehen wollte, anstatt zum Training zu gehen, schritt Vater Ernie ein. Reinhardt Senior hatte in den 80er-Jahren am Orange County College in Kalifornien Football gespielt und trieb seinen Sohn mit liebevoller Härte an: „Er sagte immer: ‚Lass niemals nach, denn das unterscheidet die Erfolgreichen von den weniger Erfolgreichen’“, erinnert sich Katin.

Text: Joshua Wiedmann
Fotos: Florian Achberger, Marcel Merli, Harry Langer

Die komplette Story über Katin Reinhardt und noch vieles mehr (z.B. Thorsten Leibenath im Interview) gibt's ab sofort im neuen OrangeZonge.Magazin #4 - designed by HALMA.
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