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Donnerstag, 12. März 2026

Zwischen Sekunden und Emotionen

Sechs Mitglieder begleiten den Verein seit der ersten Saison am Kampfgericht. Einer von ihnen ist Christian Grupp. Im Interview blickt er zurück auf besondere Momente, Veränderungen und ein Vierteljahrhundert Basketball bei ratiopharm ulm.

Wenn in der ratiopharm arena der Ball hochgeworfen wird, richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Spieler auf dem Court. Doch direkt daneben sitzt ein Team, ohne das kein Spiel stattfinden könnte: das Kampfgericht. Sie stoppen die Zeit, führen Statistik, kontrollieren Fouls und sorgen dafür, dass alles regelkonform abläuft. Seit der ersten Saison sind einige von ihnen dabei – und das seit 25 Jahren. Sechs Mitglieder des Kampfgerichts begleiten den Uuulmer Basketball bereits seit den Anfängen und haben in dieser Zeit unzählige Spiele erlebt: spannende Playoff-Duelle, dramatische Schlussphasen und große Momente der Vereinsgeschichte. Mit einem von ihnen, Christian Grupp, haben wir über die besondere Zeit gesprochen und auf 25 Jahre aus Sicht des Kampfgerichts zurückgeblickt.  
Foto: Alexander Fischer
Der Einstieg in eine besondere Rolle
Der Weg von Christian Grupp ans Kampfgericht begann sogar noch vor der eigentlichen Vereinsgeschichte von ratiopharm ulm. „Genau genommen haben wir das auch schon vor ratiopharm ulm gemacht“, erzählt Grupp. „Ich habe damals eine Basketballabteilung in Jungingen gegründet und der SSV Ulm hatte zu der Zeit zu wenige Kampfrichter. Dann sind wir tatsächlich schon 1993, oder einige von uns, eingestiegen.“ Ein Großteil dieser Gruppe besteht bis heute aus Mitgliedern von Sport Kultur Ulm SKU e.V., dem Basketballverein aus Jungingen. 

Was zunächst als Unterstützung begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem festen Bestandteil. Als Thomas Stoll und Andreas Oettel den Verein neu aufstellten, war für Grupp und sein Team schnell klar, dass sie weiterhin dabei sein wollten. „Sie sind auf uns zugekommen und haben gefragt, ob wir weitermachen. Das war für uns selbstverständlich, wir sind alle Basketball-Fans.“ Sein erstes Spiel am Tisch hat er bis heute im Kopf. „Das war natürlich aufregend. Plötzlich sitzt du in der Kuhberghalle vor dieser Kulisse und trägst Verantwortung. Davor hatte ich das nur in der Bezirksliga vor vielleicht zehn Zuschauern gemacht.“

Mit dem Basketball gewachsen  
In mehr als zwei Jahrzehnten hat sich die Arbeit am Kampfgericht spürbar verändert – und mit ihr auch die Verantwortung. „Heute muss jeder Kampfrichter vor jeder Saison eine Prüfung ablegen, um die Lizenz für die BBL zu bekommen“, erklärt er. „Das gab es früher so nicht.“ Auch organisatorisch hat sich einiges verändert. Wo früher zwei Schiedsrichter das Spiel leiteten, sind es heute drei. Zusätzlich begleitet ein Kommissar jede Partie.  

Mit der Professionalisierung des Sports sind auch die Anforderungen an das Kampfgericht gestiegen. Gleichzeitig wurden die Regeln immer wieder angepasst, was besonders für den Shotclock-Operator viel Basketballverständnis verlangt. „Gerade hier braucht man ein gutes Gefühl für Spielsituationen. Eigene Erfahrung als Spieler hilft da enorm.“ Während auf dem Parkett die Dynamik des Spiels tobt, muss am Tisch jede Bewegung mitgedacht werden. Ein falscher Moment, ein zu spätes Drücken und tausende Augen in der Arena, dazu die TV-Kameras, richten sich plötzlich auf das Kampfgericht. Genau diese Mischung aus Verantwortung, Konzentration und Nähe zum Spiel macht die Aufgabe für Grupp bis heute so besonders. 
Momente, die bleiben
Wer so lange dabei ist, sammelt unzählige Erinnerungen. Einige Momente sind für Grupp besonders präsent. „Das erste Spiel in der Arena im Dezember 2011, das war einfach besonders“, erinnert er sich. „Oder das Freiluftspiel auf dem Münsterplatz 2015. Das waren schon besondere Erlebnisse.“ Auch international durfte das Uuulmer Kampfgericht Erfahrungen sammeln, etwa bei einer Euroleague-Schulung in Barcelona während der ersten Eurocup-Saison des Clubs.  

Eine völlig andere Atmosphäre herrschte dagegen während der Corona-Zeit. „Neben den Spielern waren wir die einzigen Personen in der Halle. Es war wirklich beängstigend, wie leise es war.“ Plötzlich waren Gespräche hörbar, die sonst in der ratiopharm arena untergehen. „Man hat jedes Wort vom Feld gehört – und natürlich auch unsere Kommunikation am Tisch. Und da findet, wie man sich denken kann, ziemlich viel Austausch im Team statt.“ 

Der emotionalste Moment kam schließlich mit dem größten sportlichen Erfolg der Vereinsgeschichte: der Gewinn der deutschen Meisterschaft. „Wir waren alle unglaublich aufgeregt. Während des Spiels müssen wir neutral sein, aber im Herzen sind wir natürlich Fans des Clubs.“ An diesem Abend übernahm Grupp sogar kurzfristig eine zusätzliche Aufgabe als Hallensprecher. „In den letzten Sekunden hat mir dann einfach die Stimme versagt vor lauter Emotionen“, betont Christian Grupp. 
Ein eingespieltes Team
Über die Jahre ist aus den Kampfrichtern weit mehr geworden als nur ein Team am Tisch, es ist eine eingespielte Mannschaft entstanden. Viele von ihnen begleiten den Club seit Jahrzehnten, haben Höhen und Tiefen erlebt und gemeinsam die Uuulmer Basketballgeschichte miterlebt. Einige kommen inzwischen auf weit über 1000 betreute Spiele, von intensiven BBL-Partien über internationale Eurocup-Abende bis hin zu Vorbereitungsspielen im Sommer. „Ohne ein funktionierendes Kampfgericht läuft kein Spiel“, sagt Grupp.  

Für ihn bedeutet es mehr als nur eine organisatorische Aufgabe. „Mich macht stolz, dass wir über so viele Jahre einen kleinen, aber wichtigen Beitrag zum Basketball in unserer Region leisten konnten.“ Besonders freut ihn der Ruf, den sich das Uuulmer Team erarbeitet hat: „Wir gelten seit vielen Jahren als eines der drei besten Kampfgerichte in deutschen Basketballarenen. Dazu trägt jeder Einzelne seinen Teil bei, auch wenn wir in wechselnden Besetzungen arbeiten.“  
Während auf dem Parkett neue Spieler die Geschichte des Clubs weiterschreiben, bleiben sie am Kampfgericht das, was sie seit 25 Jahren sind: stille, verlässliche Begleiter des Uuulmer Basketballs – nah am Spiel, nah am Club und immer mitten im Geschehen.  

Sie erleben die Emotionen aus nächster Nähe: die Spannung in den letzten Sekunden, die Explosion der ratiopharm arena nach einem entscheidenden Wurf, aber auch die leisen Momente zwischen zwei Vierteln. Über die Jahre sind sie damit zu einem festen Teil der Uuulmer Basketballfamilie geworden. Menschen, die nicht auf dem Spielfeld stehen, aber dennoch Spiel für Spiel dazu beitragen, dass Basketball in der ratiopharm arena überhaupt möglich ist. Ein Vierteljahrhundert Kampfgericht in Ulm ist damit vor allem eines: 25 Jahre Leidenschaft für den Basketball. 
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