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Dienstag, 23. Juni 2020

Auf der Zielgeraden ausgebremst

ratiopharm ulm beendet die Saison als Tabellenvierter und muss Ludwigsburg nach hartem Kampf den Vortritt ins BBL-Finale überlassen.

  • Goodwin (19) und Klepeisz (17) Topscorer. 
  • Marcos Knight (26) erneut nicht zu stoppen. 
  • Letztes Uuulmer Echo: Mittwoch 19 Uhr live.  
Nach einem Unentschieden (71:71) nach 40 Minuten waren es die zweiten zwanzig Minuten der zweiten Halbfinalpartie, die Ludwigsburg reichten, um ratiopharm ulm den dritten Finaleinzug der Vereinsgeschichte zu verwehren. Glaubt man Per Günther, der 26 Minuten auf dem Parkett stand und alles aus seinem 32-jährigen Körper herausholte, ist der Knackpunkt aber noch vor der zweiten Halbzeit – die Ludwigsburg mit 52:41 gewann – zu finden. „Wir hatten Ludwigsburg zweimal an einem Punkt, an dem wir uns wohlfühlen und haben dann den Fuß vom Gaspedal genommen“, beschreibt Günther bei MagentaSport. Damit erinnert der Kapitän an das dritte Viertel aus Spiel eins und die zweiten zehn Minuten aus Spiel zwei, als ratiopharm ulm sich einen Vorsprung herausgespielt hatte. Ähnlich sieht es Topscorer Tommy Klepeisz, der am Ende eines begeisternden Ulmer Turniers den „Killerinstinkt“ vermisst hat. So endet die Saison von ratiopharm ulm, das vor der Corona-Pause auf Rang zehn der BBL-Tabelle geführt wurde, auf Platz vier und damit einen Rang vor dem entthronten Meister aus München. 
Gavin Schilling wirft alles, was er hat in die Waagschale. Foto: Ulf Duda
Im Fokus: „Ludwigsburg hat in den entscheidenden Phasen die wichtigen Runs gezeigt, die wir nicht beantworten konnten“, sagte Klepeisz über den Knackpunkt einer Serie, die über 70 Minuten ausgeglichen war (140:140 bzw. 69:69 in der 30. Minute von Spiel zwei). Der wahrscheinlich entscheidende Lauf gelang Ludwigsburg zu Beginn des vierten Viertels, mit einem 9:3-Run zum 72:80. Von diesem Moment an rannte ratiopharm ulm Ludwigsburg hinterher und fand auch defensiv keine Mittel mehr: Hatte ratiopharm ulm vor dem zweiten Halbfinale pro Partie lediglich 71 Punkte pro Spiel zugelassen, waren es in der zweiten Halbzeit von Spiel zwei 52 Zähler. 
Frustriert nach der Niederlage: Tommy Klepeisz. Foto: Camera4
Nach einem Blitzstart der Ludwigsburger, die ratiopharm ulm in den ersten Minuten zu überrennen schienen (2:6), war es Gavin Schilling, der sein Team in einer ruckeligen Anfangsphase im Spiel hielt und in der 5. Minute erstmals in Führung brachte (7:6). Nachdem die Uuulmer also ihre ersten Schockminuten überwunden hatten, traf es die Riesen – und zwar Topscorer Marcos Knight, der bei einer Offensivaktion umknickte und am Sprunggelenk behandelt werden musste. Mit Knight zurück auf dem Feld gelang es Ludwigsburg dann in der 8. Minute, einen Ulmer 9:0-Lauf zu stoppen. Doch angeführt von Tommy Klepeisz, der bereits im ersten Viertel zehn Punkte auflegte, ging ratiopharm ulm mit 19:12 in Führung. Als dann auch Tyler Harvey seine ersten Punkte in diesem Halbfinale gelangen, lag ratiopharm ulm mit 24:16 in Front. Doch die ersten Viertelsekunden im zweiten Durchgang gehörten wieder den „Aggressoren“: Mit ihrer Blitzverteidigung kamen die Ludwigsburger zu zwei Steals und schnellen vier Punkten. Doch die Ulmer Reaktion war cool: Mit einem 7:0-Run, den Günther aus der Distanz vollendete, brachten sich die Ulmer mit elf Punkten in Front (31:20). Doch trotz spielerischer Überlegenheit erlaubte ratiopharm ulm den Riesen einen 6:0-Run und den Weg zurück in die Partie (36:32, 16.). Dann war es Knight, der sich mit sechs Punkten in Folge zurückmeldete. In die Ludwigsburger Powerphase hatte Christoph Philipps zwei wichtige Momente: Erst ermöglichte seine wilde Attacke ein Drei-Punkt-Spiel, dann hängte er dem 15 Kilo schwereren Ariel Hukporti ein Offensivfoul an. Kurz vor dem Halbzeit-Buzzer gelang Weiler-Babb dann der vierte Ludwigsburger Dreier zum 46:42, ein Wurf mit Signalwirkung.
Enttäuschung nach dem verpassten Finaleinzug. Foto: Ulf Duda
Denn die stärkste Ludwigsburger Phase begann direkt danach: Mit zwei Dreiern und einem Break-Away-Dunk plus Bonus-Freiwurf legten sie einen 9:0-Lauf zum 46:51 aufs Parkett. Wenngleich ratioharm ulm über Schilling rasch wieder Stabilität fand, hatte das Momentum nun gedreht. Motiviert durch ihre hartnäckige Verteidigung trafen die Riesen nun auch ihre Dreier, so wie Hans Brase, der zum 55:61 einnetzte. Als spielerisch nicht viel zusammenging, war es Goodwin der mit seiner Athletik und seinem Willen dagegenhielt. Dann war plötzlich Patrick Heckmann zur Stelle: mit schnellen Händen und vier Fastbreak-Punkten initiierte er wie aus dem Nichts einen Führungswechsel (66:65). Wenngleich Osetkowski diese Führung mit einem Dreier noch um einen Punkt aufpolstern sollte, ging Ludwigsburg mit einer Zwei-Punkte-Führung nach 70 Minuten in die letzte Pause (69:71). 

Und erneut wurde ratiopharm ulm von zwei Dreiern kalt erwischt: Bei noch acht Minuten auf der Uhr war der Rückstand auf 69:77 angewachsen. Und die Ludwigsburger Dreier blieben das Problem: Den Distanzwurf von Klepeisz konterte erneut Babb zum 72:80. Während bei den Ludwigsburgern in dieser Phase alles gelang, konnte ratiopharm ulm seine Chancen nicht nutzen. Einmal machte die Hand von Willis im Netz zwei Ulmer Punkte zunichte, dann scheiterten die Ulmer von der Freiwurflinie (22/29). Im Gegensatz dazu Knight: Einmal gegen das Ulmer Doppeln, dann mit einem Stepback-Dreier zum 75:87, der bullige Guard war nicht zu halten. Bei noch 3:27 Minuten auf der Uhr war der Weg ins Finale lang und steinig geworden. Offensiv legte Derek Willis zwar noch einmal schnelle acht Punkte auf, nur defensiv gelangen ratiopharm ulm nicht mehr die benötigten Stopps. 
O-Ton:
Jaka Lakovic: „Aus einer guten ersten Halbzeit hätten wir mit etwas mehr Konzentration mit einer höheren Führung in die Kabine gehen müssen. Der letzte Dreier vor der Pause hat das Momentum verändert. Ende des dritten Viertels haben wir Ludwigsburg mit einem Jumpshot erneut die Führung ermöglicht. Im letzten Viertel war es ihr Basketball, den wir nicht mehr solide genug verteidigen konnten. Ludwigsburg hat die Partie verdient gewonnen und steht zu Recht im Finale.“

Per Günther: „Auch wenn es sich für mich wie eine verpasste Chance anfühlt, überwiegt doch die Dankbarkeit und Freude, noch einmal mit so einer selbstlosen Mannschaft zusammengespielt haben zu dürfen. Wir hatten die Hoffnung, um einen Titel spielen zu können. Wenn all das, was damit verbunden ist, quasi aus dem nichts kommt, ist das ein tolles Gefühl.“ 

Und sonst? Eine ausführliche Analyse des Finalturniers und der Saison 2019/20 bietet das Uuulmer Echo am morgigen Mittwoch um 19 Uhr. Sportdirektor Thorsten Leibenath wird mit Marc Herrmann und einem Teil der Ulmer Turnier-Mannschaft live auf Facebook und YouTube über die Premierensaison von Head Coach Laka Jakovic und die mitreißenden Tage in München diskutieren. 
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