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Mittwoch, 28. Februar 2018

Bittere Derbypleite in Ludwigsburg

ratiopharm ulm unterliegt den MHP RIESEN Ludwigsburg mit 89:54 (53:21) und ist dabei nur zwei Minuten ebenbürtig.

Shortcut ratiopharm ulm geht in Ludwigsburg nach „der schwächsten ersten Hälfte der Saison“ (Pete Strobl) chancenlos unter und kassiert im Derby die dritte Niederlage in Serie. Dabei war die einseitige Partie bereits nach 20 Minuten entschieden, als die Gastgeber mit 53:21 führten. Ludwigsburg, das das Ulmer Spiel bereits nach zwei gespielten Minuten mit seinem Druck erstickte und dabei immer wacher und schneller war, hatte in der ersten Hälfte acht Dreier (Ulm 1/11) versenkt und den Gästen sieben Mal das Spielgerät geklaut. Mit lediglich 54 erzielten Punkten unterbot ratiopharm ulm seine bisher schwächste Offensivleistung vom ersten Spieltag gegen Berlin (68:72) um 14 Zähler. „Ludwigsburg hat uns heute überrollt und ein Vielfaches an Energie und der Bereitschaft Basketball zu arbeiten, mitgebracht“, urteil ein enttäuschter Head Coach Thorsten Leibenath. „Unsere Leistung war nicht akzeptabel und ich möchte mich dafür bei den Fans entschuldigen“, so der 42-Jährige.
Keystats Wenn eines der schwächsten Teams der Liga aus dem Dreierbereich in der entscheidenden ersten Hälfte acht von 16 Treffer erzielt und die zweitbeste Dreipunktmannschaft der Liga (Ulm) lediglich einen von elf, kann man das verkehrte Welt nennen. Wenn das Kräfteverhältnis bei den Steals (12/1) – also einem wichtigen Indikator für die Aggressivität – noch deutlicher ist, ist das ein klarer Hinweis für die Energielosigkeit der Gäste. Nimmt man die 12 Offensivrebounds der RIESEN dazu, ist die Erklärung für die Ulmer Chancenlosigkeit schnell gefunden. Ludwigsburg erarbeitet sich insgesamt 18 Wurfversuche mehr als Ulm.
Enttäuschung pur: Das Team verabschiedet sich bei den Fans. Foto: Foto Baumann
Spotlight Einziger Ulmer Lichtblick an einem rabenschwarzen Mittwoch: David Krämer, der nach überstandener Sprunggelenksverletzung auf einen Karrierebestwert in der Bundesliga kam. Dabei erzielte der 21-Jährige 12 seiner 16 Zähler (2/3 3er) im Schlussviertel. Daneben kam Tim Ohlbrecht mit neun Zählern und einer hundertprozentigen Trefferquote aus dem Feld auf eine Saisonbestleistung.
David Krämer war mit 16 Punkten Topscorer einer müden Ulmer Mannschaft. Foto: Foto Baumann

Play-by-Play

1. Viertel (27:9): Nach einem gemächlichen Start, den zunächst die Ulmer besser nutzten (2:5), drückten die Gastgeber dem Spiel ihren Stempel auf: Mit deutlich mehr Präsenz – vor allem bei den Rebounds (15:6 im 1. Viertel) – starteten die Ludwigsburger einen 12:0-Lauf und zogen auf 14:5 davon, wobei sie sechs Punkte davon aus einer Fastbreak-Situation erzielten. Wenngleich die Gäste die defensive Blutung zwischenzeitlich etwas stoppen (16:7) konnten, dominierten die Riesen das erste Viertel nach Belieben – insbesondere in den letzten zwei Minuten des Viertels, als zunächst der bärenstarke Walkup und anschließend Waleskowski ihre Dreier zur überdeutlichen 25:9-Führung im Korb versenkten. 

2. Viertel (26:12:) Doch auch die zweiminütige Viertelpause brachte keine Änderung im Spiel. Die deutlich kleineren, aber immer einen Schritt schnelleren und agileren Ludwigsburger hielten ihren Druck hoch und schnürten so das Ulmer Angriffspiel ein. Die Konsequenz: ein 21-Punkte-Rückstand (34:13) nach nur 13 gespielten Minuten. Dabei hatten die Gäste noch Glück, denn auch den RIESEN gelang in der Offensive Mitte des zweiten Viertels nicht viel. Doch mit neun Ballverlusten nach 16 Minuten und einer Dreierquote von lediglich neun Prozent (1/11), konnten die Gäste diese kurze Schwächephase nicht bestrafen. Im Gegenteil: Als Ludwigsburg, das über die Saison gesehen lediglich 33,1 Prozent seiner Dreier trifft, den siebten Distanzwurf (50 Prozent in Halbzeit eins) versenkte, war der Rückstand auf schwindelerregende 30 Punkte angewachsen (48:17).

3.Viertel (19:14): Wer gehofft hatte, die Ulmer würden die von Assistent Coach Pete Strobl geforderte Energie freisetzen können, der wurde enttäuscht. Wenngleich das Spiel nun deutlich physischer und langsamer wurde, änderte sich an der Ludwigsburger Dominanz und am Ulmer Rückstand nichts (60:25, 16.). Immerhin: Den Ulmern gelang es nun besser, ihre Längenvorteile über Tim Ohlbrecht auszuspielen, der im dritten Durchgang auf sieben Punkte kam. Doch da aus dem Feld bei ratiopharm ulm konstant nichts fallen wollte (12/38), zogen die Gastgeber uneinholbar davon (72:35, 30.).

4. Viertel (17:19): Als das Spiel längst entschieden war, sollte die deutsche Formation um Günther, Akpinar, Krämer, Ferner und Ohlbrecht noch etwas Ergebniskorrektur betreiben. Am besten gelang dies David Krämer, der im einzigen von ratiopharm ulm gewonnenen Viertel zwölf seiner 16 Punkte erzielte. Den Schlusspunkt einer enttäuschenden Partie setzte Marcell Pongo mit dem fünften Ulmer Dreier des Abends (bei 22 Versuchen).



Ryan Thompson erzielte 13 der 54 Ulmer Punkte.
Quotes
John Patrick (Head Coach MHP RIESEN Ludwigsburg): „Wir wussten nicht, ob wir nach der Pause rostig auftreten würden oder nicht. Kompliment an die Nationalspieler beider Mannschaften, die in der Pause nicht nur arbeiten, sondern auch viele Stunden im Flugzeug verbringen mussten, besonders Peter-McNeilly und Fotu. Es war ein schönes Geburtstagsgeschenk für mich. Die Intensität, mit der wir in den ersten 36 Minuten gespielt haben, war sehr gut. Darüber hinaus haben wir überdurchschnittlich von außen getroffen und auch unser neuer Spieler Malik Müller konnte mit Hustle Plays überzeugen.“

Thorsten Leibenath (Head Coach ratiopharm ulm): „Ich glaube nach 15 Minuten war schon relativ klar, dass Ludwigsburg das heute gewinnen wird. Die Leistung war nicht so, dass man gegen Ludwigsburg bestehen kann und ich muss mich hiermit auch bei den mitgereisten Fans entschuldigen. Es begann nicht verkehrt, wir hatten einen offenen Dreier zur 8:2-Führung und dann passiert das, was hier in Ludwigsburg vielen Mannschaften passiert. Sie üben so einen immensen Druck aus, dass einfache Dinge nicht mehr klappen und man unnötig den Ball wegwirft und den Gegner zu Schnellangriffen einlädt. Die Leistung war nicht ausreichend und wir waren überrascht, mit wie viel Energie sie rebounden und verteidigen. Davon konnten wir uns das ganze Spiel nicht erholen.“

Malik Müller feierte seine Premiere für Ludwigsburg. Foto: Foto Baumann
Good to know  Ein Grund, warum ratiopharm ulm nicht die Energie aufbringen konnte, um dem Druck der Ludwigsburger zu widerstehen, ist in den vergangenen sechs Tagen zu finden, in denen die Ulmer Nationalspieler (inklusive der Partie in Ludwigsburg) drei Spiele zu absolvieren hatten und insgesamt 177 Minuten auf dem Feld standen (Akpinar 69 / Fotu 57/ Babic 51). Isaac Fotu, der nach einem zwölfstündigen Flug aus Soul erst am Dienstagabend in Deutschland angekommen war, hatte schon vor dem Spiel gesagt: „Ich fühle mich, als ob es drei Uhr morgens wäre, aber ich bin hier, um das Team zu unterstützen.“

Fotos Foto Baumann
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