500 BBL-Spiele, 5.304 Punkte, 1.930 Assists und zahlreiche weitere Clubrekorde: Kaum ein Spieler hat die Geschichte von ratiopharm ulm so geprägt wie Per Günther. Über 14 Jahre hinweg war der gebürtige Gießener das Gesicht des Vereins, führte das Team als Kapitän aufs Parkett und entwickelte sich zu einer der größten Identifikationsfiguren im deutschen Basketball. In dieser Zeit erlebte er sportliche Höhen und Tiefen, begleitete den Wandel des Clubs vom ambitionierten Bundesligisten zum Spitzenstandort und gestaltete viele dieser Entwicklungen selbst aktiv mit. Noch heute sind seine Spuren in den Vereinsrekorden und in den Erinnerungen der Fans allgegenwärtig.
Als junger Spieler beeindruckte Per am Basketballstandort Ulm vor allem eine Sache: „In Ulm habe ich einen Verein vorgefunden, der die Dinge etwas anders gehandhabt hat und sehr familiär war. Das Interesse, junge deutsche Spieler auszubilden, war hier sehr hoch. Am meisten beeindruckt hat mich allerdings dieser Entwicklungshunger, gepaart mit visionärem Denken. Das ist letztendlich auch der Grund, weshalb ich so lange geblieben bin und weshalb der Club heute dort steht, wo er steht“, erklärt Per Günther. In seiner ersten Saison wurde Per direkt ins kalte Wasser geworfen. Er stieß erst später in der Vorbereitung zur Mannschaft, da er noch mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Nur kurze Zeit später verletzte sich mit Dru Joyce sein Positionskonkurrent, weshalb Per direkt von Beginn an ranmusste. „Das war super aufregend für mich. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich in der Nacht vor dem Spiel gegen Bamberg kein Auge zubekommen habe. Als junger Basketballspieler stehst du da mit gestandenen Profis wie Jeff Gibbs oder Sean Finn auf dem Parkett und möchtest sie natürlich keineswegs enttäuschen. Am Ende war es ein großartiges Gefühl, dass ich dazu beitragen konnte, dieses Spiel zu gewinnen. Für meine Karriere war dieses Spiel unglaublich wichtig, weshalb ich es niemals vergessen werde“, schildert Per.
Über seine Karriere hinweg erlebte der achtfache Allstar einige Höhepunkte der Clubgeschichte. Am meisten stolz ist er allerdings darauf, dass ratiopharm ulm 2023 die Deutsche Meisterschaft gewinnen konnte. „Es klingt kurios, aber es macht mich am meisten stolz, dass der Vizemeister-Bann 2023 gebrochen wurde. In meiner Zeit haben wir oft das Finale erreicht, den letzten Schritt jedoch nie gehen können. In diesem Jahr ging das Konzept mit den starken deutschen Spielern, den Toptalenten, die in ihrer Entwicklung weiter waren, als man erwarten konnte, und den unfassbar starken Nachverpflichtungen auf. Wenn du dann in den Playoffs Berlin, Bayern und dieses Bonner Team schlägst, realisierst du, dass ein Punkt erreicht wurde, den niemand für möglich hielt“, erläutert Per. Hängen geblieben ist beim 38-Jährigen allerdings auch noch eine andere Partie: das Pokalfinale 2013 gegen ALBA Berlin. „Das war ein Spiel, das mich geprägt hat. Ich habe eine sehr gute Leistung aufs Parkett bringen können, am Ende hat es aber trotzdem nicht gereicht. Letztendlich war es eine Lektion für mich, dass Basketball ein Mannschaftssport ist und am Ende die bessere Mannschaft gewinnt, egal wie gut oder schlecht man selbst spielt. Dieses Spiel hat mir in meiner Karriere sehr geholfen, weil ich wusste, dass ich auch ohne Titel in den entscheidenden Spielen und Situationen immer an mein Limit gegangen bin und da war“, so Per Günther.
Die Fans waren für Per ein enorm wichtiger Faktor. Mit der Zeit entstand eine immer enger werdende Bindung, die er sich erarbeitete. „Zu Beginn meiner Karriere gab es bereits große Identifikationsfiguren wie Jeff Gibbs oder Mike Taylor, die das Gesicht der Mannschaft repräsentierten. Auch wenn meine Rookie-Saison gut verlief, hatte ich in den darauffolgenden zwei bis drei Jahren immer wieder einen Positionskampf mit einigen angesehenen Amerikanern. So richtig konkret wurde diese Bindung dann, als wir regelmäßig die Playoffs erreichten und auch tiefere Runs schafften. Persönlich habe ich es zudem gemerkt, als ich auf der Straße angesprochen wurde und mir die Leute gesagt haben, dass sie mich seit der Kuhberghalle bis heute verfolgen“, erzählt Per. Gekrönt wurde diese Nähe knapp zwei Jahre nach seinem Karriereende, als sein Trikot unter der Hallendecke der ratiopharm arena verewigt wurde und die Rückennummer 6 fortan nicht mehr vergeben wird. „Das ist für mich ein absolutes Highlight meines gesamten Lebens. Es ist schön, dass ich diesen Moment gemeinsam mit meiner Familie erleben durfte. Jedes Mal, wenn ich in der Arena stehe und mein Trikot dort oben hängen sehe, bekomme ich direkt Gänsehaut“, so Per.
Vom Rookie of the Year über den Allstar bis hin zum Pascal Roller Award: Die Ulmer Club-Ikone räumte im Laufe ihrer Karriere zahlreiche Auszeichnungen ab. „Über den Pascal Roller Award habe ich mich immer gefreut, aber auch die Auszeichnung als Rookie of the Year war sehr besonders für mich, da die BBL damals einen coolen Ring dafür angefertigt hat. Besonders war für mich zudem die Auszeichnung zum Allstar-MVP 2016, da wir uns als deutsches Team gegen die amerikanische Top-Auswahl durchsetzen konnten. Dann auch noch als bester Spieler ausgezeichnet zu werden, hat das Ganze zusätzlich gekrönt“, schildert Per Günther.
Mit einer solchen Karriere nimmt Per Günther natürlich eine Vorbildfunktion im deutschen Basketball ein. Junge Spieler schauen zu ihm auf und lernen, den Sport zu verstehen und zu beherrschen. „Als junger Spieler ist es wichtig, dass du die Philosophie deines Clubs und die Spielweise deines Trainers verstehst und verinnerlichst. Zunächst muss die Verteidigung auf BBL-Niveau gebracht werden, und auch die Entscheidungsfindung muss sitzen. Wichtig ist außerdem, zu verstehen, wie man seinem Team am besten helfen kann, und dann gezielt daran zu arbeiten“, erklärt Per abschließend.
25 Jahre ratiopharm ulm – das sind unzählige Momente, die geblieben sind. Spiele, die Geschichte geschrieben haben. Emotionen, die verbinden. Dieses Jubiläum ist mehr als ein Rückblick – es ist eine Hommage an alles, was diesen Club ausmacht.
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