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Di, 25.09.2018

#Easy4Izi

Vor dem Start in die Saison 2018/19 nimmt sich „Izi“ Akpinar Zeit für ein ausführliches Gespräch. Im Interview spricht der 23-Jährige über Klavierunterricht, NBA-Star Dennis Schröder und Mesut Özil.

Izi, in deiner ersten Saison in Ulm hast du deinen Punktedurchschnitt verdoppelt, deine Spielzeit deutlich erhöht und deine Dreierquote erstmals über die 40 Prozent angehoben. Die Umstellung vom Nachwuchsspieler, der du in Berlin noch warst, zum Vollprofi in Ulm fiel dir leicht, oder?
Leicht war das nicht, weil es eben auch ein Prozess über vier Jahre war, der in Berlin begonnen hat. Rückblickend war die Entscheidung nach Ulm zu kommen für mich persönlich die richtige – und das, obwohl Berlin eine so tolle Saison gespielt hat. In Ulm habe ich das erste Mal richtig Verantwortung übernommen und hatte auch den Druck, produzieren zu müssen. Das war genau das, was ich wollte. Jetzt will ich da anknüpfen, wo ich letztes Jahr aufgehört habe. 

Unter dem Hastag #easy4izi postest du auf Instagram Bilder von dir am Klavier oder im Nationaltrikot. Gibt es Dinge, die nicht easy sind für Izi?
Da gibt es ganz, ganz viele Sachen. Womit ich mir auf jeden Fall schwer tue – zumindest abseits des Basketballfeldes – ist Multi-Tasking. Ich merke das immer daran, dass ich nicht telefonieren und gleichzeitig jemandem zuhören kann. Das führt zum Chaos. Mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, fällt mir schwer. 
Ismet Akpinar gönnt sich während der Derbys gegen Ludwigsburg eine Verschnaufpause. Foto: Alexander Fischer
Wie kam es dazu, dass du mit dem Klavierspielen angefangen hast?
Kurz nachdem ich bei einem Fantalk in der ratiopharm arena einmal gesagt habe, dass ich mir wünschen würde ein Musikinstrument zu spielen, habe ich mich tatsächlich damit beschäftigt. Ich habe mir bei Amazon ein E-Piano bestellt und mir dann Youtube-Tutorials angesehen. Das hat mir so großen Spaß gemacht, dass ich seit drei, vier Monaten Klavierunterricht nehme.  

Was ist schwieriger: Ein Stück von Ludovico Einaudi fehlerfrei auf dem Klavier zu spielen oder Dennis Schröder zu verteidigen?
Ganz klar Dennis Schröder zu verteidigen. Das Klavierstück kannst du immer wieder üben und irgendwann bekommst du es auch fehlerfrei hin. Aber Dennis hat so ein Tempo, da kannst du noch so sehr an deiner Schnelligkeit arbeiten, es wird immer unheimlich schwer sein, ihn vor dir zu halten. Dennis zu verteidigen, ist nicht easy für Izi. 

„Dennis zu verteidigen, ist nicht easy für Izi.“

Du hast jetzt schon den zweiten Sommer mit dem NBA-Star verbracht: Was ist Dennis für ein Typ?
Er wirkt für viele, die ihn nicht kennen, vielleicht ein bisschen eigen. Aber er ist ein super Typ. Ein guter Mitspieler, ein wahnsinniger Wettkämpfer und echter Leader. Ich verstehe mich auch abseits des Feldes sehr gut mit ihm und wir sind auch regelmäßig in Kontakt. Dennis ist wirklich ein super Typ. 

Schon Ende Juli hast du auf Instagram geschrieben: „Kann das erste Heimspiel nicht erwarten.“ Warum bist du so heiß auf die neue Saison?
Für meinen Geschmack war die Offseason zu lang. Ich habe die beeindruckende Atmosphäre in der ratiopharm arena einfach vermisst. Die Ulmer sind nicht ohne Grund zwei Mal in Folge zu den besten Fans der Liga gewählt worden. Ich bin wirklich heiß auf das erste Heimspiel. 
Nationalspieler Ismet Akpinar an der Seite von NBA-Star Dennis Schröder. Foto: Camera4
Was macht die Ulmer Fans so besonders?
Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie es ist, wenn du als Gast in der ratiopharm arena vorgestellt wirst. Als Auswärtsteam denkst du dir: ‚Wow, das wird schwer heute. Egal wie gut wir spielen, wir spielen gegen mehr als fünf Spieler auf dem Feld. Im Ulmer Trikot bringt mir diese Atmosphäre hingegen Extra-Motivation und ich weiß, dass die Fans uns auch aus einem Energietief holen können. Letztes Jahr haben Sie gezeigt, dass sie uns auch in schweren Zeiten unterstützen. Das ist etwas, worauf man als Verein und Spieler sehr stolz sein kann.
 
Du hast in einem Interview einmal gesagt, dass du noch mehr Konstanz in dein Spiel bringen willst. Was kriegen wir von dir in der Saison 2018/19?

Ich will in jedem Spiel hart verteidigen – jeder soll wissen, gegen Akpinar wird es unangenehm. Außerdem will ich mehr zum Leader werden und deutlicher mit meinen Mitspielern kommunizieren. Es gab letztes Jahr Spiele, in denen ich nicht wirklich präsent war, das möchte ich ändern. 

Zitat „Ich weiß, dass die Fans uns aus einem Energietief holen können.“

Für die Fans ist der Saisonstart ein Traum, weil mit München, Galatasaray und Berlin innerhalb der ersten zwei Wochen gleich drei Topteams nach Ulm kommen.  Wie siehst du das als Spieler?
Als Leistungssportler freust du dich immer über große Herausforderungen, gleichzeitig willst du natürlich auch erfolgreich in eine Saison starten. Wenn ich es mir hätte aussuchen können, hätte ich diese Highlight-Spiele nicht in zwei Wochen gequetscht, sondern sie über die Saison verteilt. Aber so ist es nun mal. Jetzt wollen wir die Großen gleich zu Saisonbeginn ärgern. 

2015 hast du für ALBA in der EuroLeague in Istanbul nur ein paar Sekunden gespielt. Bei deinem zweiten Aufeinandertreffen mit dem türkischen Kultclub wirst du wahrscheinlich länger auf dem Parkett stehen. Was bedeutet dir das Spiel?
Rein sportlich gesehen war Galatasaray in der Vergangenheit sicher stärker als zuletzt. Doch Gala ist ein Club mit ganz viel Tradition und hohen Erwartungen, der sicher einen starken Kader hat. Ich kenne die unglaubliche Atmosphäre in Istanbul und bin gespannt, wie viele türkische Fans in Ulm dabei sein werden. 
Hier geht's lang: Izi gibt die Richtung vor. Foto: Florian Achberger
In wie weit hast du dich über die Sommerpause mit dem Transfermarkt der Liga beschäftigt? Ist dir außer der Tatsache, dass die Bayern ihren Meisterkader noch verstärkt haben, noch etwas aufgefallen?
Meiner Meinung nach wird die Liga immer stärker. Persönlich bin ich auf Bamberg gespannt. Mal sehen, wie sie das erste Jahr, in dem sie nicht in der EuroLeague antreten, hinbekommen. Ich glaube, hier wird es eine Art Übergangsjahr geben. Berlin hat hingegen den größten Teil seines Kaders halten können. Mal sehen, ob sie immer noch so einen schönen Basketball spielen. Und ich bin natürlich auch auf unser Team gespannt. Der Kampf um die Playoffs wird jedenfalls hart und jeder Sieg ist Gold wert. 

Der deutsche Sport-Sommer war geprägt von einem Mann, der wie du türkische Wurzeln hat und schon viele Male das deutsche Nationaltrikot getragen hat. Hast du eine Meinung zur Causa Özil?
Um das wirklich beurteilen zu können, bin ich zu weit weg. Ich finde es persönlich nur sehr schade, wie die ganze Sache ausging. Mesut Özil ist meiner Meinung nach ein wundervoller Fußballer. Es ist wirklich schade, dass er nicht mehr für Deutschland spielen wird. 

„Der Kampf um die Playoffs wird jedenfalls hart und jeder Sieg ist Gold wert.“

Özil hat mit seiner Aussage „Ich bin Deutscher wenn wir gewinnen, aber Immigrant, wenn wir verlieren“, eine Rassismus-Debatte im Sport ausgelöst. Hast du ähnliche Erfahrungen machen müssen?
 Nein, das ist mir noch nie passiert – zum Glück. Aber das liegt sicher auch daran, dass Fußball einen anderen Stellenwert in Deutschland hat. Durch die enorme Präsenz sind die Meinungen zum Fußball eben auch radikaler. Ich fühle mich zu hundert Prozent akzeptiert in Deutschland.  
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