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Sonntag, 24. November 2019

Fättes Ding gegen Hamburg

ratiopharm ulm dominiert die Hamburg Towers und gewinnt in der easyCredit BBL erstmals zwei Spiele in Serie.

  • Gavin Schilling mit vierfacher Karrierebestleistung.
  • Seth Hinrichs als MVP des Spiels geadelt. 
  • Per Günther gewinnt Duell mit Heiko Schaffartzik. 
Der erste Hunderter in der Bundesliga, der zweite Sieg auf nationaler Ebene in Folge: Der 9. Spieltag in der easyCredit BBL bot jede Menge Gründe für ratiopharm ulm, um zu feiern. Unterstützt von „Fättes Blech“, der Brass-Band aus dem Allgäu, intonierte am Ende Gavin Schilling, der mit 16 Punkten, drei geblockten Würfen, sowie 6/8 Zweiern und 4/6 Freiwürfen gleich vier Karrierebestleitungen aufstellte, die „Humba“ mit den begeisterten Fans. Nach einem mühsamen Start war es Seth Hinrichs – den Jaka Lakovic „als MVP des Spiels“ adelte, der mit seiner Energie einen 30:1-Lauf startete, von dem sich die Gäste nicht mehr erholten. „Meine Mannschaft hat gegen den Druck von Ulm keine Disziplin gezeigt, das hat mich vor allem im zweiten Viertel enttäuscht“, sagte Hamburgs Head Coach Mike Taylor, der sich seine Rückkehr nach Ulm sicher anders vorgestellt hatte. 
Gavin Schilling gelingt sein bestes Spiel der Saison. Foto: Harry Langer
Im Fokus: „Ich wusste, dass mir noch ein Rebound zum Double Double gefehlt hat“, beschreibt Gavin Schilling grinsend die Schlussphase des Spiels, als es noch darum ging, ob der 24-Jährige sogar fünf Karrierebestleistungen aufstellen würde. So waren es mit 16 Punkten, neun Rebounds und starken Wurfquoten „nur“ vier Bestmarken, aber ohne Frage „das beste Spiel, das Gavin bisher für uns gemacht hat“, wie es sein Trainer formulierte. Der „Game Changer“ war allerdings Seth Hinrichs, der mit einer Effektivität von 22 Schilling nur um wenig nachstand. Hinrichs war es, der sein Team nach einem mühsamen Start (7:15) durch seine Leidenschaft ansteckte und den spielentscheidenden Run initiierte. Per Günther legte mit drei von vier Dreiern seine beste „Shooting Performance“ der Saison aufs Parkett und gewann so das Duell gegen Heiko Schaffartzik (5 Pkt.) deutlich. 
Per Günther im Duell mit Heiko Schaffartzik. Foto: Harry Langer
Angeschoben von der offiziellen Clubband, Fättes Blech, war die Lautstärke in der ratiopharm arena von Beginn an im oberen Bereich. Auf dem Parkett waren es indes die Towers, die zunächst den Ton angaben: In der 6.Minute war es Yannick Franke, der seinen sechsten Punkt von der Freiwurflinie zur 7:15-Führung der Gäste im Ulmer Korb unterbrachte. Dann war es Seth Hinrichs, der sein Team mit seiner Energie ansteckte: Erst legte er einen gut getimten Pass von Obst ab, dann machte er in der Defensive Alarm und versenkte schließlich einen Dreier zum 14:15. Angetrieben von Hinrichs ließen die Ulmer bis zum Viertelende nur noch einen Hamburger Punkt zu (22:16). 

Und nachdem „Fättes Blech“ in der Viertelpause das Parkett gestürmt hatte, war die Energie auch endgültig auf dem Spielfeld angekommen. Mit vollem Einsatz attackierte Schilling in der Verteidigung den Passweg und provozierte so ein unsportliches Foul der Gäste. Nachdem Schilling von der Linie nur einen von zwei Würfen versenkte, war der Big Man für die folgenden vier Punkte seines Teams verantwortlich (29:16). In weniger als drei Minuten hatte ratiopharm ulm das zweite Viertel mit einem 15:0-Lauf eröffnet (37:16, 13.). Über fünf Spielminuten mussten die Gäste warten, ehe Tevonn Walker in der 14. Minute erstmals wieder Zählbares auf die Anzeigetafel brachte (37:18). Doch dann nahmen die Gastgeber den Fuß vom Intensitätspedal und erlaubten den Hanseaten ein Mini-Comeback (46:30). Erst mit zwei Dreiern kurz vor der Halbzeit (Obst, Günther) hob ratiopharm ulm die Führung wieder über die 20-Punkte-Marke (54:32). 
Zoran Dragic steurte 11 Punkte und 4 Rebounds bei. Foto: Harry Langer
Wenngleich Hamburg mit deutlich mehr Energie aus der Kabine kam, machte Hinrichs mit einem Steal gleich zu Beginn des zweiten Durchgangs den Weg frei für einen Hayes-Dunk und damit den Gästen klar, dass ratiopharm ulm nicht daran dachte, einen Gang zurückzuschalten. Bereits in der 23. Minute hatten die Gastgeber den Vorsprung auf plus 30 Punkte hochgeschraubt (62:32). Als Derek Willis nach einer kurzen Täuschung an der Dreierlinie einen heftigen Dunk durch den Hamburger Ring hämmerte (81:47), waren noch mehr als zwölf Minuten auf der Spieluhr. In der 31. Minute war es erneut Willis vorbehalten, erstmals auf „über 40“ zu stellen (90:49). Mit einem 10:0-Lauf betrieben die Towers noch etwas Ergebnis-Kosmetik, ehe Kristofer Krause sich in der 37. Minute als letzter Ulmer ins Scoring eintrug (96:61). In der 39. Minute erzielte dann Ugrai – als mit 24 Jahren ältester Spieler einer Lineup (Ugrai, Schilling, Philipps, Hayes, Krause), die auf ein Durchschnittsalter von 21,2 Jahren kam, den 100sten Ulmer Punkt. 
Seth Hinrichs brachte viel Energie ins Spiel. Foto: Harry Langer
O-Ton
Jaka Lakovic: „Ich freue mich sehr über den Sieg. Unglücklicherweise ist es nur ein Spiel gewesen. Aber es war der zweite Sieg in Serie in der BBL. Das sollte uns Selbstvertrauen geben und mehr noch zeigt es, wie wir spielen müssen, um zu bestehen und Spiele zu gewinnen. Gavin hat heute sein bestes Saisonspiel gemacht. Das Beste waren aber nicht seine Punkte, sondern die Energie, die er ins Spiel gebracht hat. Das hat das Team heute gebraucht. Der Wendepunkt im Spiel war für mich heute die Einwechslung von Seth Hinrichs. Er hat ganz stark verteidigt – deswegen ist er heute für mich der MVP. Nach dem langsamen Start haben unsere Bankspieler heute für mehr Druck gesorgt und Hamburg damit aus ihrem Spielkonzept gebracht.“

Mike Taylor: „Zuerst einmal Glückwunsch an Jaka und Ulm. Sie haben den Sieg verdient, denn Ulm hat das Spiel dominiert. Meine Mannschaft hat gegen den Druck von Ulm keine Disziplin gezeigt, das hat mich vor allem im zweiten Viertel enttäuscht. Wir haben gut angefangen, aber die frühen Fouls haben uns Probleme bereitet. Ulm hat dann mehr Druck in der Verteidigung gemacht. Wir haben darauf nicht gut reagiert und unser Spielsystem verloren. Es ist die gleiche Situation wie immer – wir müssen besser zusammen spielen, mit mehr Toughness in der Verteidigung und mehr Disziplin im Angriff. Nachdem wir zur Halbzeit mit 20 Punkten hinten waren und Ulm mit einem Lauf ins dritte Viertel gestartet ist, war bei uns die Luft raus. Aber wir werden weiter arbeiten, um das Niveau für die Bundesliga zu finden.“

Und sonst? Das Pokalviertelfinale am 14. Dezember wirft seine Schatten voraus. Schon elf Tage vor dem „Do-or-die“-Spiel gegen Göttingen steigt am 3. Dezember um 20 Uhr eine spannende Talkrunde zum Thema „Alles oder nichts“. In der Ulmer Bar „Herr Berger“ haben vier Köpfe ein Thema: In entspannter Atmosphäre sprechen die Gäste über Pokal-Geschichten und persönliche Situationen, in den es um alles oder nichts ging. Der Eintritt ist frei. Details folgen. 
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