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Donnerstag, 28. Februar 2019

Der etwas andere Fasching

ratiopharm ulm erwartet am Bonner Hardtberg nicht nur einen Playoff-Konkurrenten, sondern auch eine ganz spezielle Atmosphäre.

  • Ersatzgeschwächt: Ohne Günther, James, Fotu und Reinhardt.
  • On Fire: Bonner Josh Mayo in Topform.
  • Bonner Karnevalsbilanz: 8-2 Siege. 
Thorsten Leibenath muss nur müde lächeln – und das nicht zum ersten Mal. Der gebürtige Rheinländer wird eigentlich jedes Jahr im Februar auf den Unterschied zwischen Fasching und Karneval angesprochen. Als beim letzten Ulmer Heimspiel vor der Länderspielpause gegen Jena ein regionaler Fanfaren-Zug aufspielte, nahm Leibenath das zur Kenntnis, sonderlich berührt haben ihn die tapfer spielenden Musiker allerdings nicht. Das hing natürlich vornehmlich mit der Niederlage gegen Jena zusammen. Ein bisschen aber auch damit, dass der rheinländische Karneval, den Leibenath aus Leverkusen kennt, ebenso wenig mit den süddeutschen Traditionen zu tun hat. 

„Wir reisen mit dem Ziel nach Bonn, am Samstag der Spielverderber zu sein.“

Man könnte diese Unterschiede jetzt schulterzuckend ignorieren und sagen: „Na und, wen interessiert‘s?“ In der easyCredit BBL eigentlich nur die Bonner und das Team, das am Karnevals-Samstag zu Gast im Telekom Dome ist. Seit die Baskets 2008 in ihr vereinseigenes Schmuckstück umzogen, absolvierten sie zehn närrische Partien vor eigenem Publikum – acht Mal gingen sie als Sieger vom Parkett. Wer einmal erlebt hat, wie die Gastgeber ihr Karnevalsspiel zelebrieren, muss akzeptieren, dass der Heimvorteil an diesem Spieltag ein besonders großer ist. Wenn fast alle der 6.000 Besucher „jeck“ sind (in Feierstimmung) und Kölsch (regionales Bier) und Höner (Karnevals-Band) die Stimmung anheizen, kann ein Lauf der Gastgeber tödlich sein. Erlebt haben das zuletzt die Eisbären Bremerhaven. Beim Testlauf für das samstägliche Karnevalsspektakel überrollten die Baskets die Eisbären am Mittwoch im ersten Viertel (41:13) und fügten den Gästen die 15. Niederlage in Folge im Schongang zu. 
Ein mögliches Schlüsselduell: Martin Breunig vs. Dwayne Evans.
Im Fokus Seit der Verletzung des etatmäßigen Centers Charles Jackson im November 2018 ist Martin Breunig in Bonn „the man“ in der Zone. Seit Breunig startet, gelangen ihm neun Mal zweistellige Scoring-Werte – eine Leistung, die ihm in seinen ersten beiden Bundesliga-Jahren erst zweimal von der Hand gingen. Der 2,03 Meter große Breunig spielt im Lowpost insbesondere seine Schnelligkeit aus und dürfte für Dwayne Evans und Gavin Schilling ein spannendes Match-up darstellen. Immer besser in Fahrt kommt auch Josh Mayo. Der Point Guard legte in den letzten fünf Spielen einen Schnitt von 19,6 Punkten bei einer Dreierquote von 67,6 Prozent auf. 

Historie Die Heimspiel-Gesamtbilanz spricht mit 15-7 Siegen deutlich für die Gastgeber. Unter der Ägide des gebürtigen Rheinländers Thorsten Leibenath gewannen die Ulmer indes sieben der letzten zehn Spiele in Bonn. Das erste und bisher einzige Ulmer Karnevalspiel seit Eröffnung des Bonner Telekom Domes fand übrigens am 9. Februar 2013 statt. 28 Punkte von John Bryant und 20 von Daniel Theis reichten nicht, um die 32 Zähler von Bonns Robert Vaden und die 24 Punkte von Benas Veikalas zu beantworten. Die Gastgeber gewannen knapp mit 99:94.

Einer mit Karnevalserfahrung: Ryan Thomson trifft auf seinen Ex-Club. Foto: Florian Achberger.
Thorsten Leibenath „Als gebürtiger Rheinländer ist mir der Karneval natürlich nicht fremd. Von daher weiß ich, dass das Spiel für die Bonner immer etwas ganz Besonderes ist. Es herrscht eine sehr ausgelassene Stimmung auf den Rängen und alles ist etwas anders, als bei einem normalen BBL-Spiel. Darauf müssen wir uns einstellen. Nach dem Spiel ist es Tradition, dass die Bonner Spieler gemeinsam mit den Fans im Foyer der Arena feiern. Von daher werden sie erst recht alles dafür tun, um das Spiel zu gewinnen. Aktuell zeigt sich Bonn in einer sehr starken Verfassung, trifft in der Liga die meisten Dreier pro Spiel und ist für uns ein direkter Konkurrent im Playoff-Rennen. Wir reisen mit dem Ziel nach Bonn, am Samstag der Spielverderber zu sein.“ 
Nach seiner Verletzung wird RaShad James nicht gemeinsam mit Pat Miller in Bonn auflaufen können. Foto: Florian Achberger.
Und sonst? Vier Spiele, drei Siege. Seit Nate Linhart am Hardtberg eingecheckt hat, läuft es für den Tabellenachten besser. Und das ist nicht verwunderlich, gilt der 32-jährige Allrounder doch als echter Glue-Guy – also als ein Typ, der ein Team zusammenhalten kann. Linhart, der in der BBL schon für Trier (2011-13) und Bayreuth (2016-18) spielte, sammelte mit Maccabi Tel Aviv Euroleague- und mit Saragossa EuroCup-Erfahrung. In Bonn kommt der Small Forward (17:24 Min) von der Bank, hat aber die Qualität, ein Spiel jederzeit nachhaltig zu prägen. 
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